Freitag, 31. Juli 2015

Die Outperformer von morgen


Die Outperformer von morgen

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/G3leuN2Cu7Y

 

Die Rohstoffbranche durchläuft einen tief greifenden Wandel. Die Krise zwingt die großen Rohstoffproduzenten zu harten Einschnitten. Für Unternehmen und Anleger ergeben sich daraus Chancen.

 

Zugegeben, die Krise am Rohstoffmarkt kam nicht völlig über¬raschend, dass sie dann aber doch so stark ausgefallen ist, damit hatten viele Akteure nicht gerechnet. So brach der durchschnittliche Preis für eine Tonne Eisenerz von knapp 200 US-Dollar im Jahr 2011 auf knapp 50 US-Dollar im April 2015 regelrecht in sich zusammen. Nicht ganz so dramatisch, aber immer noch schlimm, erwischte es die Kohle. Kostete eine Tonne der Sorte Australian Thermal Coal 2008 noch rund 200 US-Dollar, so sind es derzeit nur noch knapp 60 US-Dollar. Und Aluminium sackte von über 3.000 US-Dollar je Ton¬ne Ende 2008 auf unter 1.500 US-Dollar im Jahr 2009 ab. Und so weiter und so fort, könnte man sagen, denn der

 

Rückgang der Rohstoffpreise kennt nahezu keine Ausnahmen. Gut zu sehen ist das dann auch an der Entwicklung der markt¬breiten Rohstoffindizes wie dem Bloomberg Commodity Index tet. Ihr Weg aus der Krise: sparen und schrumpfen. So hat Glencore, einer der weltweit größten Rohstoffproduzenten und -händler mit Sitz in der Schweiz, für 2015 eine milliarden-schwere Kürzung der Ausgaben angekündigt. Waren es bisher knapp acht Milliarden US-Dollar, die im laufenden Jahr inves¬tiert werden sollten, sind es nun nur noch 6,5 bis 6,8 Milliar¬den US-Dollar. Ein Einschnitt, so das Management, der nahe¬zu alle Unternehmensbereiche treffen soll.

Zudem trennte sich Glencore zuletzt auch von der Beteiligung am britischen Bergbauunternehmen Lonmin. Ein Schachzug, der sich als klug erweisen könnte. Zwar gehört Lonmin zu den weltweit größten Produzenten von Platin, einem durchaus zukunftsträchtigen Rohstoff, doch das Unternehmen kämpft mit zahlreichen hartnäckigen Problemen. „Lonmin ist unbe¬streitbar attraktiv, doch die Giftpille ist, dass das Unter¬nehmen große Risiken in Be¬zug auf arbeitsrechtliche Fragen und die Unzufrieden¬heit der Gewerkschaften auf¬weist", so die Einschätzung von Simon Hudson-Peacock von Momentum Asset Ma¬nagement in Johannesburg. Vor drei Jahren stand Lonmin im Mittelpunkt des südafri¬kanischen Bergarbeiterstreiks, der mehrere Monate andau¬erte und in dessen Verlauf auch Menschen zu Schaden kamen. Zwar konnten sich die Parteien zuletzt auf ein neues Lohnabkommen eini-

 

AKTIENMONITOR

gen, doch so richtig Frieden mag nicht einkehren. Neue Streiks sind nicht ausgeschlossen, spätestens in einigen Jahren, wenn Lohnabkommen neu verhandelt werden müssen. Denn das eigentliche Problem bleibt: die sich schnell ausweitende Schere zwischen Reich und Arm in Südafrika. Lonmin steht mit seinen Minen am Kap im Zentrum tief greifender gesellschaft¬licher Verwerfungen. So hart wollte man es bei Glencore aber nicht formulieren, offiziell wurde zur Begründung des Verkaufs nur darauf hingewiesen, dass man in Sachen Platin kein Ex¬perte sei und dieser Rohstoff auch nicht zum Kerngeschäft des Konzerns gehöre.

Spin-off bei BHP Billiton. Zum Verkauf von Unternehmensbe¬reichen hat auch BHP Billiton gegriffen. Weniger lukrative Divisionen wurden in South32 zusammengefasst und vor wenigen Wochen als Spin-off an die Börse gebracht. Produk¬tionen im Bereich Aluminium, Mangan, Silber, Zink, Blei und Nickel gehören nicht mehr BHP, sondern zu South32. Ziel des großangelegten „Demergers": eine umfassende Konzernneu¬ausrichtung und Fokussierung auf die Kernkompetenzen Ei¬senerz, Erdöl, Kohle und Kupfer.

Damit kehrt BHP ganz bewusst einen Trend um, der in den Boomjahren des Rohstoffmarkts das Denken der Manager und Börsianer bestimmte, den Drang zur Größe und Breite. „Wäh¬rend früher Diversifikation en vogue war, wird nun versucht, den Unternehmenswert zu steigern, indem gesplittet wird", kommentiert Gerald Hosp in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Was übrig bleibt, ist ein BHP-Konzern, der sich auf wenige und rentable Großprojekte konzentriert, die auf Kostenführerschaft getrimmt sind.

n         RIO TINTO MINI LONG ZERTIFIKAT

WKN /ISIN   PA5DTF / DE000PA5DTF2

Kurs des Basiswerts        2.613,026 GBp

Stop-Loss     2.127,7893 GBp

Basispreis   2.026,466 GBp

Hebel            4,49

Geldkurs / Briefkurs       0,82 EUR / 0,83 EUR

lie RIO TINTO MINI SHORT ZERTIFIKAT

WKN /ISIN   PS4LQH / DE000PS4LQH0

Kurs des Basiswerts        2.613,386 GBp

Stop-Loss     3.058,5724 GBp

Basispreis   3.219,5499 GBp

Hebet           4,13

Geldkurs / Briefkurs       0,87 EUR / 0,88 EUR

Bitte beachten Sie die Hinweise zu Chancen und Risiken ab Seite 64. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung Individuelle Kosten wie Gebühren, Steuern und Aus¬gabeaufschläge sind in der Berechnung nicht enthalten und erfahren Sie von Ihrer Hausbank. Quelle: BNP Paribas; Stand: 15.07.2015

Rio Tinto denkt um. Einen Verkauf von weniger rentablen Geschäftsbereichen scheint man nun auch bei Rio Tinto an-zusteuern. Der Konzern hat sich lange Zeit gegen solche Akti¬vitäten gewandt, noch vor wenigen Wochen sagte der Vor¬standsvorsitzende lan Petrus du Plessis: „Ich kann kategorisch ausschließen, dass wir bei Rio Tinto die Ausgliederung eines unserer Assets planen".

Doch nun könnten Medienberichten zufolge Teile des Alumi-niumgeschäfts zur Disposition stehen. Schon im Jahr 2013 sollte die Tochter Pacific Aluminium abgestoßen werden, doch damals wurde der Plan schnell fallen gelassen, weil man in der Krise kaum einen guten Preis hätte erzielen können. Ob der DeaL über die Bühne geht, wird abzuwarten bleiben. Doch auf jeden Fall scheint man nun auch bei Rio Tinto Verkäufen von einzelnen Sparten nicht mehr grundsätzlich ablehnend gegenüberzustehen. Und an potenziellen Verkaufskandidaten mangelt es dem Konzern nicht. Allein die Kohledivision soll

 

MÄRKTE & ZERTIFIKATE 1 AUGUST/SEPTEMBER 2015

laut Schätzungen von Jefferies circa 3,6 Milliarden US-Dollar wert sein.

Branche im Umbruch. Glencore, BHP Billiton und Rio Tinto - das sind nur drei Beispiele einer Entwicklung, die derzeit im der gesamten Rohstoffbranche zu beobachten ist: die Konzerne werden kleiner und ertragsstärker. Risiken und weniger Lukra¬tives werden abgestoßen, die Rentabilität erhöht. Aus trägen „Schlachtschiffen" werden so vielleicht keine „Rennboote", aber doch zumindest schnellere und wendigere „Minenboote", die sich den Marktgegebenheiten flexibler anpassen können. Eine Entwicklung, die in der Wirtschaft natürlich nicht einmalig ist. Auch viele Telekomkonzerne haben diese zum Beispiel durch¬laufen. AT&T etwa hat sich mehrmals in seiner Konzernge¬schichte aufgespalten, teils freiwillig, teils unfreiwillig. Doch geschadet hat es dem Unternehmen letztendlich nicht.

Unter diesem Aspekt werden sich die Rohstoffkonzerne in Zukunft auch stärker voneinander unterscheiden. Hat bisher jeder alles gemacht, um es einmal lax zu formulieren, ist man nun dabei, thematische Schwerpunkte setzen. Bei BHP sind sie schon deutlicher zu sehen, dort stehen die Rohstoffe Eisenerz, Erdöl, Kohle und Kupfer im Mittelpunkt. Diesen Rohstoffen scheint man Langfristig Preispotenzial zuzutrauen. Bei Glencore stehen bislang neben Eisenerz und Kohle vor allem die Basis¬metalle Kupfer Nickel, Zink und Aluminium im Fokus, bei Rio Tinto ist es vor allem das Eisenerz, das das Geschäft dominiert.

In der Krise Liegen die Chancen. Mit der Thematisierung be¬stimmter Rohstoffe/Rohstoffgruppen können Anleger nun se¬lektiv auf eine Beruhigung und Erholung am Rohstoffmarkt spekulieren. Setzt sich zum Beispiel der Aufwärtstrend der Weltwirtschaft fort, könnte Glencore mit seiner starken Aus-richtung auf die Basismetalle zu den Favoriten gehören. Bei Eisenerz ist die Situation etwas komplizierter. Der Rohstoff ist in großen Mengen vorhanden, die Anbieter liefern sich einen harten Preiskampf. Rio Tinto und BHP Billiton versuchen jeweils als Sieger aus der Auseinandersetzung hervorzugehen, sie kaufen Kapazitäten hinzu. Hier wird abzuwarten bleiben, wer in Zukunft die Nase vorne hat und wer vielleicht eines Tages seine Eisenerzdivision gänzlich zur Disposition stellt. Letztend¬lich scheinen aber alle drei Konzerne interessant und spannend zu sein. Denn gerade in der Krise werden nicht selten die „Outperformer von morgen" geboren. Das gilt auch für die Krise am Rohstoffmarkt.

Angespannter Gold-Preis


Angespannter Gold-Preis

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/oRn0uFWJhmk

Eine mögliche Top-Bildung bei chinesischen Aktien könnte dem Goldpreis neuen Schwung verleihen. Doch die Lage am Goldmarkt bleibt insgesamt angespannt.

 

Wenn Chinas Konsumenten niesen, bekommt der welt-weite Goldmarkt einen Schnupfen. In Anlehnung an einen bekannten Ausspruch an der Börse („Wenn die VVall. Street niest, bekommt die ganze Welt einen Schnupfen") könnte man vielleicht so die Lage am Goldmarkt umschreiben. Denn China und seine Kon¬sumenten bilden mit ihrer Nachfrage nach dem Edel¬metall die mit Abstand grö߬te Käufergruppe am inter¬nationalen Goldmarkt. So haben sie im ersten Quartal 2015 laut den jüngst veröf-fentlichten Zahlen des Bran¬chenverbands World Gold Council (WGC) nahezu 273 Ton¬nen Gold erstanden, vor allem in Form von Schmuck (213,2

EXKURS: TOP UND BOTTOM   

 

Von Top und Bottom wird In der Charttechnik ganz all¬gemein gesprochen, wenn sich in einem Kursverlauf etwa einer Aktie oder eines Rohstoffs ein oberer (Top) oder unterer (Bottom) Wendepunkt herausbildet. Diese Wen¬depunkte sind naturgemäß schwer zu definieren und lassen sich mit letztendlicher Sicherheit immer nur im Nachhinein bestimmen. Wichtig ist es daher, eine Top-oder Bottom-Bildung nie isoliert zu betrachten, sondern stets im Zusammenhang mit anderen Faktoren, wie dem Handelsvolumen. Aber auch ein möglicher Zusammenhang zwischen Top- und Bottom-BiLdung bei verschiedenen Basiswerten kann hilfreich sein, wie eben der zwischen Chinas Aktienmärkten und dem Goldpreis.

 

Tonnen). Auf Platz zwei der weltweit größten Konsumen-tengruppe kommen die Verbraucher aus Indien, sie haben in den ersten drei Monaten insgesamt rund 192 Tonnen nachgefragt. Abgeschlagen auf Platz drei, vier und fünf rangieren die Konsumenten aus dem Nahen Osten (83,6 Tonnen), West- und Mitteleuropa (73,5 Tonnen) und den USA (32,3 Tonnen).

Aus Aktienanlegern werden Goldinvestoren. Diese Beob-achtung legt den Schluss nahe, dass China einen maßgeb¬lichen Einfluss auf die Entwicklung des Goldpreises haben könnte. Gestärkt wird diese Annahme durch einen weiteren, sehr interessanten Zusammenhang. In den zurückliegenden Jahrzehnten war immer wieder ein Wechsel zwischen Gold¬preis und der Nachfrage nach chinesischen Aktien festzu¬stellen. Bemerkenswert sind hierfür vor allem die Zeiträu¬me 2000/2001 und 2007/2008. In beiden Phasen kam es etwa im SSE Composite Index (Shanghai Stock Exchange

Composite Index), dem Leitindex an der Börse in Shanghai und wichtigsten Barometer für die Entwicklung am chine-sischen Aktienmarkt, zu einer Top-Bildung, die auf der Goldseite von einer Bottom-Bildung „kommentiert" wurde. Top- und Bottom-Bildung könnten in einem inneren Zusam-menhang stehen. Nämlich in dem, dass wenn der chinesi¬sche Aktienmarkt an Schwungkraft nach oben verliert, zumindest einige Anleger sukzessive in den Goldmarkt als Alternative umschichten und damit auch den Goldpreis ankurbeln. Anders herum funktioniert dieser Zusammenhang allerdings nicht unbedingt, da der Goldmarkt allein vom Han-delsvolumen her wesentlich kleiner als der Aktienmarkt ist. Werden aus Goldinvestoren Aktienanleger, hat das nur ei¬nen kleinen Effekt auf den ge¬samten Aktienmarkt in Shang-hai. Werden hingegen aus Ak¬tienanlegern Goldinvestoren, kann das sehr wohl den Gold¬preis beflügeln, weil einfach mehr Börsianer durch die glei¬che „Tür" wollen.

Top-Bildung in China? Vor die¬sem Hintergrund rückt die ak-tuelle Konstellation in den Blickpunkt. Der SSE Composite Index kann seit etwa einem Jahr

 

stark zulegen. Er ist von etwas mehr als 2.000 Punkten auf knapp 5.500 Punkte in der Spitze geklettert. Auch wenn er in den zurückliegenden Wochen etwas verloren hat, auf Sicht von fünf Jahren stellt er immer noch die gute Entwick¬lung vieler anderer Börsenplätze, etwa an der Wall Street und in Frankfurt, in den Schatten. Die fundamentale Recht¬fertigung der Outperformance soll an dieser Stelle nicht interessieren, hierüber gibt es ohnehin große Meinungsver¬schiedenheiten. Doch allein angesichts der extrem guten Performance könnte man das Gedankenexperiment durch-

spielen, dass der chinesische Aktienmarkt zumindest auf kurze Sicht überkauft ist, mithin eine Top-Bildung stattfin-det, die eine Korrekturphase zur Folge haben könnte.

Verhält sich dies so, könnte es zu Umschichtungen aus dem chinesischen Aktien- in den Goldmarkt kommen. Dies könn-te, wenn man andere Faktoren, die den Goldpreis negativ beeinflussen, erst einmal unberücksichtigt lässt, unter Umständen einen steigenden Goldpreis zur Folge haben. Zu einer ähnlichen Einschätzung scheint auch das WGC zu kommen, wenn es in seinem letzten Quartalsbericht schreibt: „Die Rallye am heimischen Aktienmarkt [gemeint sind die Börsen in Shanghai und Shenzhen; Anmerkung

n         GOLDNACHFRAGE NACH VERBRAUCHERGRUPPEN

in Tonnen

ETFs und Finanzprodukte

Technologie/ Industrie

Notenbanken

Münzen und Barren

Schmuck

-175   0         175

 

MÄRKTE & ZERTIFIKATE 1 AUGUST/SEPTEMBER 2015

der Redaktion] belastete auch im ersten Quartal die Gold-nachfrage [...]. Das nach wie vor vorhandene starke Inte¬resse an Goldschmuck wurde durch den Umstand unter¬graben, dass die chinesischen Konsumenten ihren Fokus auf den Aktienmarkt richteten." Und in Bezug auf die Be¬wertung chinesischer Aktien: „Die Bewertung der Aktien wurde deutlich ausgeweitet, sie beginnt schaumig auszu¬sehen." Letzteres soll wohl heißen, dass der „Schaum" vielleicht bald in sich zusammenfallen könnte, sprich die Kurse der chinesischen Aktien zurückkommen.

Lage am Goldmarkt bleibt dennoch kritisch. Natürlich steckt hinter dem aufgezeigten Zusammenhang kein Au¬tomatismus. Zudem ist nicht sicher, ob Chinas Aktienmarkt wirklich in eine längere Korrekturphase hineinläuft. Das fundamentale Umfeld hat sich in China, trotz einiger Ri¬siken, deutlich verbessert. Des Weiteren gibt es Faktoren, die den Goldpreis belasten. Denn nach wie vor scheint die Inflation kein Thema zu sein, weder in China noch in den westlichen Industrienationen. Außerdem könnte eine mög¬liche Leitzinserhöhung in den USA den Goldpreis belasten. Da Gold keine Zinsen abwirft, wird seine Attraktivität bei steigenden Zinsen geschmälert.

All diese Punkte dürften letztendlich auch dazu beigetra¬gen haben, dass die Nachfrage nach Gold im ersten Quar¬tal 2015 im Vergleich zum Vorjahresquartal in einigen Bereichen rückläufig war. Vor allem bei Münzen, Bar¬ren und Schmuck sind nach den Daten des WGC signi-

            fikante Einbußen festzustel-

len. Wurden im ersten Quartal Letzten Jahres noch 620 Tonnen Gold als Schmuck weltweit nachge¬fragt, waren es in den ers¬ten drei Monaten 2015 nur noch rund 600 Tonnen. Bei Barren und Münzen fiel die Nachfrage von knapp 282 auf 253 Tonnen, aus der Industrie wurden unter dem

           

Rohstoff Wasser


Rohstoff Wasser

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/tgoXRSHQycM

Die Macher der James-Bond-Filme bewiesen von Beginn an ein feines Gespür für ebenso aktuelle wie brisante Themen. Bereits im Erstlingswerk „James Bond - 007 jagt Dr. No" aus dem Jahr 1962 beschworen sie die Gefahren der Atomener-gie, wenn diese in die falschen Hände gerät. In späteren Filmen wie „Im Angesicht des Todes" oder „Golden Eye" verhandelten sie Themen wie Gentechnologie oder die Kriegführung im Weltall.

Fiktion trifft Realität. In „Ein Quantum Trost", dem 22. Teil der Reihe aus dem Jahr 2008, schickt sich die Verbrecher-organisation „Quantum" an, zunächst die Herrschaft über das südamerikanische Land Bolivien und schließlich über die ganze Welt zu übernehmen. Dabei bedient sie sich eines unkonventionellen Mittels: Wasser. Durch Staudämme haben die Verbrecher für eine künstliche Dürre in Bolivien gesorgt. Gleichzeitig haben sie heimlich riesige unterirdische Wasserreservoire angelegt. Quantum unterstützt das Mili¬tär bei der Machtübernahme. Der Preis dafür: unbegrenzte Verträge zur Versorgung des Landes mit Wasser - und damit die eigentliche Herrschaft über Bolivien.

 

So fantastisch die Abenteuer von James Bond auch anmuten mögen - wie nahe an der Realität die Themen häufig an-gesiedelt sind, zeigte sich knapp zwei Jahre später. Am 28. Juli 2010 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht an. Zwar sind die Resolutionen der UN

für die Mitgliedsstaaten nicht bindend, doch die Ver¬ankerung des Menschen¬rechts auf Wasser hat einen hohen politischen Stellen¬wert. An der Spitze der An¬tragsteller stand ein Land, das in den vergangenen Jahren immer wieder unter ausgedehnten Dürreperioden litt: Bolivien.

Keine Selbstverständlichkeit. Der Stellenwert von Wasser bei privaten Anlegern ist indes deutlich weniger ausgeprägt. Das mag nicht zuletzt an der Tatsache liegen, dass das lebenspendende Nass speziell in den westlichen Industrie-nationen als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Denn während die wenigsten Privatinvestoren eine Ölquelle oder eine Goldmine ihr Eigen nennen dürften, reicht es aus, denEXKURS: WASSER — DER UNTERSCHÄTZTE ROHSTOFF

Unter Rohstoffen verstehen Investoren vor allem Öl, Gold, Silber und Industriemetalle. Wasser wird als Investment¬ziel hingegen weniger geschätzt. Dabei ist Wasser nicht nur die Grundlage allen Lebens auf der Erde, sondern ein wichtiger Faktor in ökonomischen Prozessen. Ohne Was¬ser gäbe es keine Industrie, denn für die Produktion vieler Waren ist das nasse Element genauso unverzichtbar wie für die Herstellung von Energie in Wasserkraftwerken oder die Kühlung von Reaktoren. In der Landwirtschaft wird Wasser zur Bewässerung und in der Viehzucht ein¬gesetzt. Das Wasser in Flüssen dient als Transportweg und nicht zuletzt ist die Aufbereitung von Wasser zu Trinkwasser und die Versorgung der Verbraucher ein Milliardengeschäft für die involvierten Unternehmen.

heimischen Hahn aufzudrehen, um Wasser in scheinbar unbegrenzter Menge zu erhalten.

Dabei belegen einige einfache Zahlen, dass die Versorgung mit Wasser alles andere als selbstverständlich ist. Zwar besteht die Erdoberfläche zu rund 71 Prozent aus Wasser, der Anteil an Süßwasser liegt aber nur bei mageren 3,5 Prozent. Von diesem Süßwasser sind jedoch für den Men-schen nur rund 0,3 Prozent nutzbar, da der größte Teil in Gletschern, ewigem Eis oder Bodenwasser gebunden ist. Dass diese Vorkommen re¬gional sehr ungleich verteilt und erschlossen sind, ist ein Grund dafür, dass nach An¬gaben der UNESCO weltweit immer noch rund eine Mil¬liarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trink¬wasser haben. Dies gilt ins-besondere für die Sub-Sa-hara-Region, in der bislang nicht einmal 5 Prozent der vorhandenen Wasserres¬sourcen erschlossen sind.

Geringes Angebot, Nachfra¬ge steigt. Diesem ver-gleichsweise niedrigen An-

 

MÄRKTE & ZERTIFIKATE i AUGUST/SEPTEMBER 2015

gebot steht eine Nachfrage gegenüber, die in den kommen-den Jahren und Jahrzehnten sprunghaft ansteigen wird. Wie aus einem im Frühjahr 2015 erschienenen Report der Ver-einten Nationen (UN) zur weltweiten Wasserentwicklung hervorgeht, wächst die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen pro Jahr. Bis 2050 soll sie die Zahl von 9,1 Mil-liarden Menschen erreicht haben, davon werden rund 2,4 Milliarden Menschen in der wasserarmen beziehungsweise schlecht versorgten Sub-Sahara-Region

All diese Menschen brauchen aber nicht nur Trinkwasser, sondern müssen auch mit Energie und Lebensmitteln ver-sorgt werden. Auch hierfür wird Wasser benötigt, zum Beispiel zum Betrieb von Wasserkraftwerken oder für die Land- und Viehwirtschaft. Der UN-Bericht geht davon aus, dass bis 2050 weltweit rund 60 Prozent mehr Lebensmittel hergestellt werden müssen als heute. Schon deutlich früher, nämlich 2030, rechnen die Experten mit einem globalen Wasserdefizit von 40 Prozent.

Langfristig aussichtsreich. Diese perspektivischen Zahlen legen nahe, dass Wasser vor allem unter langfristigen Gesichtspunkten ein lohnendes Investment sein könnte. Da es für Privatanleger wenig sinnvoll erscheint, große Mengen Wasser über lange Zeit in Tanks zu bunkern, sind Alterna¬tiven gefragt. Die finden sich in Unternehmen, die im Bereich Wasser Geschäfte tätigen, zum Beispiel beim Aufbau von Infrastruktur oder der Aufbereitung von oder der Versorgung mit Wasser.

Zu den Größten der Branche gehört der Versorger Veolia Environnement. Die Franzosen steigerten ihren Umsatz im

 

ROHSTOFFMONITOR

vergangenen Jahr um 7 Pro¬zent auf rund 23,8 Milliar¬den Euro. Mit einem Anteil von rund 47 Prozent mach¬te dabei das Wassergeschäft fast die Hälfte des Gesamt¬umsatzes aus. Veolia ver¬sorgt Menschen und Indus¬triekunden in 67 Ländern mit Trinkwasser und berei¬tet deren Abwasser auf. Der Fokus liegt auf Europa, wo Veolia 72 Prozent seiner Er-löse erzielte, aber auch in den kommenden Wachs-tumsmärkten ist es bereits vertreten. So entfielen mehr als 9 Prozent der Umsätze auf Afrika und den Mittleren Osten, 6,6 Prozent der Um¬sätze wurden im asiatisch-pazifischen Raum eingefahren. Die Wachstumsraten sind ordentlich: Vom Research-Unter¬nehmen FactSet befragte Analysten gehen davon aus, dass Veolia seine Umsätze bis 2018 im Durchschnitt um rund 3,7 Prozent pro Jahr steigern wird.

Noch etwas stärker, nämlich um durchschnittlich rund 4,9 Prozent, soll laut Analysten der Konkurrent Suez Environ-nement beim Umsatz in den kommenden drei Jahren zule-gen. Im vergangenen Jahr gingen bei dem französischen Konzern, der wie Veolia seinen Hauptsitz in der französischen Metropole Paris hat, rund 14,3 Milliarden Euro durch die Bücher. Ähnlich wie der Wettbewerber setzt Suez vor allem auf die Versorgung mit Wasser und auf die Aufbereitung. Allerdings ist das Unternehmen geografisch nicht ganz so breit aufgestellt wie Veolia. Auch wenn es in den USA, Aus¬tralien und Asien engagiert ist, stammen drei Viertel der Erlöse aus Geschäften innerhalb Europas.

Der Branchenindex. Andere „Wasserkonzerne", wie etwa die britische United Utilities oder die US-amerikanische Aqua America, fokussieren sich auf bestimmte Regionen in ihren Heimatmärkten. Weitere Firmen wie die schweizerische Geberit oder die amerikanische Xylem sind zwar weltweit aufgestellt, konzentrieren sich aber auf andere wasser-affine Bereiche wie Sanitärtechnik oder Infrastruktur. Zusammengefasst werden diese Unternehmen im Water Total Return (USD) Index, der von BNP Paribas berechnet wird. Das Branchenbarometer bildet die Wertentwicklung von zehn Aktien von Firmen ab, die im Bereich der Wasser¬versorgung, der Aufbereitung, der Infrastruktur oder Ähnli¬chem aktiv sind. Weitere Voraussetzungen für eine Aufnah¬me in den Index sind eine Marktkapitalisierung, die höher ist als 500 Millionen US-Dollar, und ein tägliches Handels¬volumen der Aktien von mehr als fünf Millionen US-Dollar. Gemessen an den Gesamtinvestitionen muss ein Unternehmen mindes¬tens 20 Prozent in den Be¬reich der Wasserwirt-schaftsindustrie investieren, um in den Index aufgenom¬men werden zu können. Geografisch liegt der Schwerpunkt des Indexes aktuell zwar auf Unterneh¬men aus Europa und den USA, viele enthaltene Fir¬men agieren aber längst als Global Player. Derzeit sind die beiden französischen Unternehmen Veolia und Suez die am höchsten ge-

 

wichteten Positionen, auf Platz drei folgt United Utilites aus Großbritannien. Allerdings ist die Gewichtung im Index insgesamt recht ausgeglichen. Anpassungen erfolgen einmal pro Jahr im Rahmen der jährlichen Auswahlkontrolle. An¬leger, die sich für Investments in Wasser und den Water TR (USD) Index interessieren, können sich unter www.bnp.de über entsprechende Möglichkeiten informieren.

Spanien am Scheideweg


Spanien am Scheideweg

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/qC0-4RuOUo8

Zum Thema „Wirtschaftswunder" fällt den meisten Menschen vor allem Deutschland in den 1950er-Jahren ein. Manche kommen vielleicht noch auf China. Im Reich der Mitte lagen die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren weit über dem internationalen Durchschnitt. Spanien jedoch würden wohl die wenigsten mit einem Wirtschaftswunder assoziie¬ren. Das liegt vor allem daran, dass das Land auf der ibe¬rischen Halbinsel in Zeiten der Finanz- und Staatsschul-denkrise als eines der größten Sorgenkinder in der Euro¬zone galt.

Das vergessene Wunder. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Spanien mit einer florierenden Wirtschaft und überdurchschnittlichen Wachstumsraten glänzte. Zu verdanken hatten die Iberer dies einer besonderen Konstel-lation: Nach dem Ende des Franco-Regimes Mitte der 1970er-Jahre restrukturierte Spanien zahlreiche staatseigene Be-triebe, führte sie teilweise zusammen, um sie international konkurrenzfähig aufzustellen, und privatisierte sie.

Ab Mitte der 1980er-Jahre erntete Spanien die Früchte die¬ser Arbeit, wobei das Land auch von seinem Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), profitierte. Schon damals erzielte Spanien zeitweise Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), die deutlich über denen der europäischen Nachbarn lagen. Im Jahr 1985 etwa lag der Zuwachs bei 3,3 Prozent, ein Jahr später waren es sogar

 

5,5 Prozent. Ab Mitte der 1990er-Jahre lieferte Span dieses Niveau regelmäßig ab.

Zwischen 2004 und 2007 lagen die Zuwächse beim Brun:-inlandsprodukt konstant oberhalb der Marke von 3 Proze-1 Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung im Jahr 2C:E. als Spaniens Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr soga-um mehr als 4 Prozent wuchs. Die Staatsverschuldung lag zu diesem Zeitpunkt bei im internationalen Vergleich selr> niedrigen 40 Prozent in Relation zum BruttoinlandsproduKr. die Arbeitslosenquote bei moderaten 8,5 Prozent.

Segen des Immobilienbooms ... Untrennbar verbunden ist

e         Aufschwung mit dem Immobilienboom, der kurz nach

e- Jahrtausendwende einsetzte. Der rührte zum einen aus

-          = Langen spanischen Tradition her, welcher der Grundsatz

ienda no baja" zugrunde Liegt. Zu Deutsch: Immobilien e"en nicht an Wert. Befeuert wurde der Boom durch e-vergünstigungen für Häuslebauer und Wohnungskäufer s e Liberalisierung der gesetzlichen Bestimmungen für _Dares Land auf der einen Seite.

:er anderen Seite animierten historisch niedrige Zinsen —er Menschen dazu, Kredite für die Finanzierung des Ei¬- e seims aufzunehmen. Seit der Einführung des Euro stiegen -auserpreise, im Jahr 2003 bereits um mehr als 10 Prozent n:. Zwischen 2003 und 2005, dem Höhepunkt des Booms, - Essen sie sogar um rund 20 Prozent pro Jahr zu.

der zum Fluch wurde. Doch als die Suprime-Krise 2008 ihren aus den USA nach Europa fand, endete das spanische — :Dillenwunder jäh. Die Häuserpreise purzelten teilweise _nd 10 Prozent pro Jahr. Zwischen 2008 und 2012 fiel der e—. spanischer Immobilien um mehr als ein Drittel. Große sbilien-Firmen wie Reyal Urbis schlitterten in die Pleite. die Banken kamen in Bedrängnis. Sie mussten auf Druck e- spanischen Regierung hohe Wertberichtigungen vornehmen, 131 ell auf billiges Agrarland, das im Zuge des Booms in _ -es Bauland umdeklariert worden war. Der Bausektor, zu¬- eine Säule der spanischen Wirtschaft, brach fast vollstän-- s- zusammen. Viele Menschen verloren ihre Arbeit und - sten ihre Häuserkredite nicht mehr bedienen. Hundert-77, sende Zwangsversteigerungen waren die Folge.

s efen Fall dokumentieren auch die Wirtschaftsdaten: Im - 2007 wuchs Spaniens Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr sn um knapp 3,5 Prozent, 2008 betrug das Wachstum nur sh 0,9 Prozent. Im Jahr 2009 schließlich brach das BIP-ssistum um 3,9 Prozent ein. Gleichzeitig stieg die Staatsver-_1- __dung rasant an; von rund 40 Prozent im Jahr 2008 auf __= 54 Prozent im Folgejahr. Bis 2015 verdoppelte sich das 1 eszit annähernd auf 99,8 Prozent. Von 2008 bis 2013 verdrei-::::nte sich die Arbeitslosenquote auf 25 Prozent. Um die an-zeschlagenen Banken zu stützen, schlüpfte Spanien im Sommer 2012 unter den Rettungsschirm EFSF.

Aufstieg und Fall des IBEX 35. Die wirtschaftliche Entwicklung Spaniens Lässt sich auch sehr gut an der Entwicklung des IBEX 1:5 ablesen. Der spanische Leitindex, der die Performance der

 

INDEXMONITOR

35 wichtigsten spanischen börsennotierten Unternehmen abbildet, legte ab 2003 kontinuierlich zu. Am 8. November 2007 erreichte er auf Schlusskursbasis seinen historischen Höchststand von 15.945,70 Punkten. Von März 2003 bis November 2007 betrug der Wertzuwachs fast 200 Prozent. Doch mit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise ging es für den IBEX 35 noch steiler bergab als mit den meisten anderen Börsenbarometern. Aus gutem Grund: Im spanischen Leitindex sind zahlreiche Banken, Finanzdienstleister und Baufirmen vertreten; also genau die Unternehmen, die von der Immobilien-Krise besonders hart getroffen wurden. Von Ende 2007 bis zum Tief fünf Jahre später verlor der IBEX 35 mehr als 60 Prozent an Wert.

Die Trendwende. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Unter dem Namen „Plan Espanol para estimulo de La eco-nomia y el empleo" startete die Regierung ab 2008 um¬fangreiche Konjunkturmaßnahmen. Dazu zählten - ähnlich wie in Deutschland - eine Abwrackprämie für Autos und, Umweltprogramme. Der Explosion der Staatsschulden begegneten die Spanier ab 2010 mit mehreren Sparpaketen. Die Früchte dieser Anstrengungen erntet Spanien seit 2013. Im 3. Quartal dieses Jahres wuchs Spaniens Volkswirtschaft um 0,1 Prozent - das erste positive Jahresviertel nach neun rückläufigen Quartalen. 2014 legte das BIP in Spanien um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, für 2015 rechnen Volkswirte mit einem weiteren Anstieg um 2,5 Prozent. Auch der IBEX 35 hat inzwischen die Trendwende vollzogen. Seit dem Tief im Sommer 2012 hatte sich der spanischeLeitindex im Wert zwischenzeitlich fast verdoppelt. Während viele andere wichtige Börsenbarometer wie der deutsche DAX oder der US-amerikanische Dow Jones erst in diesem Jahr neue historische Höchststände erreicht haben, fehlten dem IBEX 35 damit aber immer noch fast 35 Prozent bis zum Allzeithoch. Inzwischen ist der Abstand sogar noch gewachsen, denn seit Mitte April befindet sich der IBEX auf einem Konsolidierungskurs, der zuletzt an Dynamik gewann.

Richtungsweisende Entscheidung. Ob und wann der IBEX 35 wieder den Weg in Richtung Allzeithoch einschlagen kann,

         dürfte sich im Herbst entscheiden. Dann steht Spanien vor einem wichtigen Entscheid. Bei den Parlamentswahlen, die voraussichtlich im November stattfinden, räumen Wahlforscher

 

MÄRKTE &ZERTIFIKATE 1 AUGUST/SE,-

Parteien aus dem Linken Lager gute Chancen ein, vative Volkspartei Partido Popular (PP) des a—: spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy a___ Einen ersten starken Hinweis darauf, wie sich die verhältnisse zukünftig verschieben könnten, Regional- und Kommunalwahlen im Mai dieses Ja."-¬behauptete sich mit 27 Prozent der Stimmen zwar als stärkste politische Kraft, büßte aber im Vergleict 2011 mehr als 10 Prozentpunkte ein. Die Wähler \t,a vor allem ins extreme Linke Lager ab, zum Beispiel zy eine jungen Partei Podemos.

Podemos, die sich selbst als Schwesterpartei der Brie: Syriza sieht, profitiert davon, dass der Aufschwung i- bei den Menschen noch nicht angekommen ist. Die senquote lag im April immer noch bei 22,7 Prozent. 50 Prozent der erwerbsfähigen Menschen zwische- _ 24 Jahren in Spanien sind ohne Job. Auch der Immobile- - erholt sich weiter schleppend: Während nach Informa: von Eurostat die Hauspreise im 1. Quartal 2015 im Jah-a.:, gleich in Ländern wie etwa Schweden oder Irland u— oder sogar 16,8 Prozent anzogen, verteuerten sich die in Spanien nur um magere 1,6 Prozent.

Unsicherheit belastet. Die Unsicherheit über den drohe-Machtwechsel in Spanien dürften auch den IBEX 35 ir kommenden Monaten belasten. Investoren dürften sich sm mit Direktinvestitionen als auch mit Engagements bei spanisc-en Blue Chips erst einmal zurückhalten und das Wahlergebnis Jett die damit verbundene künftige politische Ausrichtung abwarf i. Das Lässt kurzfristig einen seitwärts verlaufenden IBEX 35 --ritt

leicht fallender Tendenz erwarten

 

Kommt jetzt die Zinswende?


Kommt jetzt die Zinswende?

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/u537aunKLSs

In den USA könnte es noch im Laufenden Jahr zu einer Erhöhung der Leitzinsen kommen. Drohen damit Langfristig steigende Zinsen, die auch bei Aktien, Anleihen und Währungen zu tief greifenden Veränderungen führen könnten?

 

Spätestens seit Alan Greenspan gehören kryptische Äußerungen zum Standardrepertoire eines angesehenen Zentralbankers. Sein Ausspruch „Sollten Ihnen meine Aussagen zu klar gewesen sein, dann müssen Sie mich missverstanden haben", hat schon längst Eingang in die Geschichtsbücher gefunden.

Das „Spiel" ist und bleibt also offen, könnte man vielleicht formulieren, denn es gibt ebenso viele undtriftige Gründe für wie gegen den ersten Zinsschritt seit vielen Jahren. Für wel-che Seite sich die Fed letztendlich entscheiden und was sie auf ihren nächsten Sitzungen beschließen wird - nobody knows. Und es gibt sogar Experten, die behaupten, dass noch nicht einmal die Fed selbst weiß, was sie als Nächstes tun wird, weil derzeit dafür die gesamtwirtliche Lage einfach viel zu unsicher ist.

Kreditvergabe stockt. Recht könnten diese Experten behalten, denn die wirtschaftliche Erholung in den USA und vor allem in der Eurozone ist bei Weitem nicht so stabil, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Zwar hat sich seit dem schweren Rückschlag in den Jahren 2008 und 2009 das wirtschaftliche Geschehen grundsätzlich wieder stabilisiert, doch die Unsi¬cherheit bleibt. Fast scheint es so, als hätten viele Marktak-

Diese unterschiedliche Betrachtungsweise ist wichtig zu be-rücksichtigen, denn während die Inflationsentwicklung derzeit kaum Anlass zu einer Zinserhöhung - weder jenseits noch diesseits des Atlantiks - gibt, sieht es am Arbeitsmarkt etwas besser aus. Vor allem bei der Entwicklung der Langzeitarbeits¬losen in den USA in den zurückliegenden Monaten hat sich e -e deutliche Entspannung eingestellt. Waren 2010/2011 ir

te-Spitze fast sieben Millionen Menschen 27 Wochen und länge-offiziell als arbeitslos gemeldet, sind es derzeit nur noch etwa 2,5 Millionen. Das sind immer noch viele und vor allem auch mehr als in den Boomjahren zuvor, aber eben nicht mehr ganz so viele.

Starker US-Dollar betastet. Entsprechend rückläufig entwickelt sich auch die gesamte Arbeitslosenquote. Sie liegt derzeit bei 5,5 Prozent und damit deutlich unter der Zielmarke der Fed von 6,5 Prozent. Das würde also durchaus Raum für einen ersten moderaten Zinsschritt eröffnen. Doch dass dieser bislang nicht erfolgt ist, zeigt auch, dass die Fed durchaus auch auf andere Faktoren achtet. Sorge bereitet den Währungshütern unter anderem die starke Aufwertung des US-Dollar. Zwar iste _S-'.2:1.kswirtschaft nicht so sehr vom Export abhängig wie ze. E,.-czone oder gar Deutschland (Stichwort Offenheitsgrad), _etztendlich wird auch ein starker Greenback Bremsspu--,E^ Deim Wirtschaftswachstum hinterlassen.

Das ist gerade vor dem Hintergrund ein Problem, dass sich die US-Wirtschaft in einer Phase der Reindustrialisierung befindet. Von Washington forciert, werden unter anderem in der Ma¬schinenbranche heimische Kapazitäten wiederbelebt. Ein zu starker US-Dollar könnte diesen Trend negativ beeinflussen, das ist politisch nicht gewünscht. „Unser Ziel ist es, wieder zu

 

den führenden Produktionsstandorten der Welt zu gehöre« so Barack Obama vor wenigen Wochen auf einem Wirtschafts¬kongress. Ein schwächerer US-Dollar wäre da unter Umständer hilfreich.

Zurück zur Normalisierung. Wägt man also die Argumente ab, die für und gegen einen Zinsschritt der Fed sprechen, so kommen viele Experten zu dem Schluss, dass mit maximal 0,25 Prozent Aufschlag im laufenden Jahr zu rechnen ist. Und auch dieser kleine Schritt könnte nicht so sehr der Stärke des wirtschaftlichen Umfelds, sondern wohl eher dem Umstand geschuldet sein, dass man nach zehn Jahren Niedrigstzins versucht, so etwas wie einen ersten Schritt zurück zur Nor¬malisierung zu wagen.

Denn viele Notenbanker fühlen sich unwohl, sie sehen in den tiefen Zinsen eine Notlösung, ein Zeichen der Krise und der Schwäche. So etwa James Bullard, Präsident der regionalen Fed of St. Louis. In einer Rede in Frankfurt im März 2015 warn¬te er ausdrücklich vor den Folgen zu niedriger Zinsen über einen längeren Zeitraum, die seiner Ansicht nach zu Fehlallo-kationen führen würden, die dann sehr schwer einzudämmen seien. Ähnlich die Argumentation seines Amtskollegen aus Philadelphia, Charles Plosser. In einem Interview mit CNBC Ende vergangenen Jahres sagte er: „Es gibt viele Indikatoren, die uns sagen, dass die Zinsen zu niedrig sind [...] Bisher gab es keine Geschichte der Nullzinsen. Ich glaube, wir bewegen

 

EXKURS: ZINSEN UND AKTIEN

Wenn die Zinsen steigen, fallen die Akti-enkurse? Nein, nicht ganz, zumindest nicht automatisch. Denn Aktien haben mit der Zinsentwicklung erst einmal nichts zu tun. Wer eine Aktie kauft, beteiligt sich an einem Unternehmen, daraus resultiert aber kein Anspruch auf eine festgelegte Zinszahlung. Der Aktionär leiht einem Unternehmen in dem Sinne kein Geld, wofür er Zinsen ver-.anger könnte, er kauft eher einen Anteil,

Miteigentümer und ist am Gewinn :ete _.gt, er ist nicht Gläubiger. Und den¬-7.c- der Zusammenhang zwischen Zinsen

:2-‘: en ist vielfältig und lässt sich nicht

 

leugnen. Im Wesentlichen lassen sich zwei Wechselbeziehungen herausarbeiten:

         Die Kapitalmarktzinsen beeinflussen den Gewinn eines Unternehmens. Je niedriger die Zinsen, desto günstiger kann sich ein Unternehmen verschulden, um etwa neue Produktionsanlagen aufzubauen. Das stei-gert langfristig den Unternehmenswert, was sich unter Umständen auch positiv auf den Aktienkurs auswirken kann.

         Zinsen und Aktien stellen in gewisser Weise Konkurrenten dar, sie „buhlen" um die Gunst der Anleger. Denn je höher die Zinsen, desto eher sind Anleger bereit, ihre

 

Aktien zu verkaufen, deren Kursentwick-lungen und Dividendenzahlungen natur-gemäß unsicherer sind und Schwankungen unterliegen, und in festverzinsliche Anlei¬hen zu investieren. Getreu dem Motto „Lieber sichere zwei oder drei Prozent in jedem Jahr mit Anleihen, als unsichere fünf oder sechs Prozent über einen längeren Zeitraum mit Aktien".

Aber noch einmal, zwischen der Zinsent-wicklung und den Entwicklungen am Ak-tienmarkt gibt es keinen Automatismus. Und deshalb gab und gibt es immer wieder Phasen, in denen beide steigen oder fallen.

Noch keine Verkaufsempfehlung. Daraus folgt, so Shiller wei-tet aber noch nicht automatisch eine Verkaufsempfehlung für Aktien. „Eine typische Blase ist dann, wenn die Anleger über-zogene Erwartungen an die Zukunft haben. Das ist derzeit nicht der Fall. Vielmehr ist die Basis für Investments die Analyse vergangener Preisanstiege und die Überlegung, dass die Kurse weiter steigen könnten." Soll wohl heißen, es kann noch weiter aufwärts gehen, nur wie weit, das weiß derzeit niemand.

Dass es mit den Aktien weiter aufwärts gehen kann, daran muss auch ein Anstieg der Zinsen erst einmal nichts ändern. Zwar

allgemein die Weisheit „Steigende Zinsen sind Gift für den Anienmarkt", doch wie bei jedem Gift kommt es auch hier auf nie Dosierung an. Mehr noch, Gift in kleinen Mengen kann sogar heilsam sein, nicht nur in der Medizin, sondern eben auch an der Börse.

Ein Blick auf die Entwicklung des ShilLer P/E Ratio und die Kapitalmarktzinsen in den USA zeigt, dass es in der Vergan-genheit durchaus Phasen gab, in denen beide gestiegen sind, so etwa in den 1960er-Jahren. Diese Beobachtung deckt sich mit einer jüngst erschienenen Studie von Josh Brown, CEO der US-Anlageberatungsfirma Ritholtz Asset Management. Er un¬tersucht die Entwicklungen am Aktienmarkt vor, während und nach Zinserhöhungsphasen und kommt dabei zu dem Ergebnis: „US-Aktien erweisen sich in Phasen steigender Zinsen als über¬raschend widerstandsfähig." Und weiter: „Die im S&P 500 Index gelisteten Aktien verzeichneten während der acht Zinserhö-hungszyklen der vergangenen vier Jahrzehnte eine gewichtete durchschnittliche jährliche Kurssteigerungsrate von 8,3 Prozent."

Inflation ist keine Gefahr. Ohnehin stellen sich viele Marktbe-

_         - die Frage, wie nachhaltig eine Zinserhöhung sein wird.

Dr. Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der

r          Bank und nun beim Flossbach von Storch Research

 

Institute. Er sagt: „Die lie-tralbanken werden nach er ' ersten Zinserhöhung Voraussicht nach schnell te Füße bekommen und Zinsniveau wieder nach u732.r korrigieren."

Für diese Ansicht spricht          -

ein anderer Punkt, närr. :¬der Umstand, dass der le  te Anstieg der Inflation einigen Monaten, auf der allem in Deutschland gea:-tet wird, wohl im Wese-7 chen auf eine Stabilisier., des Ölpreises zurückzufür- ¬ist. „Das Anziehen der Ir' tionsrate ist nicht unerwa7--.--Dafür verantwortlich ist = - mär der stabile Ölpreis", :: die Einschätzung von IKB Deutsche Industriebank in eine-Studie vom Juni 2015. IKB geht von einer durchschnittliche-Inflationsrate von 0,3 Prozent im Laufenden Jahr in Deutschlana aus - Tendenz zum Jahresende hin zwar steigend, aber insge¬samt immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau, das für die Preisstabilität keinerlei Gefahr darstellt. Auch unter diesem Aspekt scheint die Befürchtung einer rigiden Zinserhöhungs-runde seitens der Notenbanken nicht begründet zu sein.

Nur eine technische Reaktion? Doch warum sind dann die Znsen am Kapitalmarkt zuletzt in vielen westlichen Indus¬trienationen deutlich gestiegen? Darüber herrscht am Markt große Uneinigkeit. Einige gehen davon aus, dass es sich nur um eine technische Reaktion handelt. Darauf deutet unter anderem der Umstand hin, dass der Aufwärtstrend mit einem sehr dünnen Volumen und geringer Markttiefe einherging. Laut Erhebungen von J. P. Morgan sind in den USA die drei besten Kauf- und Verkaufsaufträge bei zehnjährigen Treasu-rys pro Tag auf ein Volumen von durchschnittlich 116 Milli¬onen US-Dollar zurückgefallen, in den vergangenen acht Jahren betrug das durchschnittliche Volumen noch 171 Mil¬lionen US-Dollar.

Zudem, so das Ergebnis einer weiteren Untersuchung, sinkt die Umschlaghäufigkeit, die Liquidität beim Handel von Staatsan¬leihen. Wechselten etwa US-Treasurys vor einiger Zeit im Jahr im Schnitt noch 14 Mal den Besitzer, so ist das heute nur noch viermal der Fall. Rückgänge der Handelsliquidität sind auch bei deutschen, japanischen und britischen Staatsanleihen zu beobachten. Karsten Linowsky, Bondstratege bei Credit Suisse, fasst die Situation am Anleihemarkt zusammen: „Es ist schwie¬riger geworden, große Volumina zu handeln, auch bei sonst liquiden Wertpapieren wie deutschen oder US-Staatsanleihen." Da reichen schon einige Verkäufe, um die Kurse der Anleihen auf Talfahrt zu schicken. Immer weniger Handel bei immer weniger Volumen - richtig überzeugend wirkt der Zinsan¬stieg nicht Andere Marktakteure verweisen auf den Umstand, das: das wirtschaftliche Umfeld aufgehellt hat, was zumindes:eller

leichten Anstieg der Kapitalmarktzinsen rechtfertigt. hier

gehört etwa Dr. Klaus Bauknecht von IKB. Er sagt: „Der le Anstieg der Langristzinsen kann im gegenwärtigen damit begründet werden, dass diese sich auf einer haltbaren niedrigen Niveau befanden." Damit stimmt Bau mit einigen Notenbankern aus den USA überein, die ja aktuelle Niedrigzinsumfeld ebenfalls für übertrieben Bauknecht rechnet mit einem weiteren Anstieg der Z betont aber auch, dass es unwahrscheinlich sei, „dass Leitzins kurzfristig auf Niveaus ansteigen sollte wie VFinanzkrise".

Niedrigzinsen als Symptom. Dass Letzteres sehr unwahrs, lich ist, davon scheint auch BundesbankpräsidentJens Wei überzeugt zu sein. Er meint: „Das Niedrigzinsniveau ist ein Symptom, das auf tiefer liegende Ursachen zurückzufü ist. Die maßgebliche Ursache liegt dabei in einer Wachs-schwäche, nicht nur im Euroraum, sondern in vielen en ten Regionen der Welt" Eine Wachstumsschwäche, so Wei weiter, die gesellschaftliche Ursachen hat. „Gerade die ändernde Altersstruktur vieler Volkswirtschaften wird zukl-tig noch schwerer auf den gesamtwirtschaftlichen Wachs:_ -möglichkeiten lasten." Und: „Daneben mag es aber auc-andere Gründe geben, die die Wachstumsaussichten därf-Ir So werden zum Beispiel für die Vereinigten Staaten nebe- - erleben wir nun etwas, was hierzulande schon fast verlernt zu sein scheint: eine Reaktion im Anleihemarkt auf veröffentlich¬te Konjunkturdaten", so etwa die Vermutung von Kornelius Purps von UniCredt Research. Ähnlich auch die Argumentation von De Vijlder: „Die Anleihezinsen müssen wieder auf geldpo¬litisches Normalniveau steigen. Der konjunkturelle Spitzenwert wird jedoch durch strukturell langsamer wachsende Bruttoin-landsprodukte niedriger sein als früher"

Daraus erwächst die Frage, wie Anleger sich nun verhalten sollten. In Bezug auf den Aktienmarkt scheint derzeit keine Hektik angesagt zu sein. Allein aus dem Umstand, dass die Kapitalmarktzinsen steigen und die US-Notenbank eventuell im September (oder Dezember) eine Erhöhung der Leitzinsen auf dann 0,5 Prozent durchführen wird, stellt an sich noch keine Gefahr für den Aktienmarkt da. Am Anleihemarkt sieht es schon ganz anders aus, hier wirkt sich jeder Anstieg der Kapitalmarktzinsen unmittelbar auf die Kurse der Anleihen aus. Während also am Aktienmarkt die Ampeln unter Berücksichti¬gung der gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse zumindest wei¬terhin auf Gelb-Grün stehen, scheint uns am Anleihemarkt eine längere Gelb-Rot-Phase bevorzustehen.

 

 

 

Wie geht es an den Rohstoffmärkten weiter


Wie geht es an den Rohstoffmärkten weiter

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/RcKxx6E8FkY

An den Rohstoffmärkten waren im ersten Halbjahr höchst unterschiedliche Entwicklungen zu be-obachten. Wir erwarten, dass die Preise im zweiten Halbjahr über die drei hier erwähnten Sektoren hinweg besser unterstützt sein sollten und sich entsprechend erholen bzw. weiter steigen dürften. Rückenwind dürfte es zum Beispiel von der sich erholenden Weltkonjunktur geben.

 

Die Rohstoffpreise haben sich in der ersten Jahreshälf-te unterschiedlich entwickelt (Grafik 1). Energieroh-stoffe verteuerten sich leicht, wofür steigende Ölpreise im Frühjahr verantwortlich zeichneten. Erdgas verbil¬ligte sich dagegen geringfügig. Industriemetalle gaben aufgrund anhaltender Wachstumssorgen in China am stärksten nach. Edelmetalle gerieten nach einem posi¬tiven Jahresstart unter Druck, wobei auch hier eine heterogene Preisentwicklung zu beobachten war. Gold und Silber liegen in etwa auf dem Niveau vom Jahres¬beginn, Platin und Palladium dagegen deutlich im Minus. Für die Edelmetalle waren die Erwartungshal¬tung bezüglich des Zeitpunkts der ersten Zinserhö¬hung der US-Notenbank Fed und die Ankündigung von breit angelegten EZB-Anleihenkäufen wichtiger als die Schuldenkrise in Griechenland. In der zweiten Jahreshälfte dürften vor allem folgende Fragen für die Rohstoffpreise von Bedeutung sein: (1) Baut sich das Überangebot am Ölmarkt wie erwartet ab? (2) Gelingt der chinesischen Wirtschaft eine sanfte Landung? (3) Wann erhöht die Fed erstmals die Zinsen?

Der globale Ölmarkt ist von einem beträchtlichen Überangebot geprägt. Die globale Ölnachfrage steigt

Grafik 1: Unterschiedliche Entwicklung der Rohstoffpreise im ersten Halbjahr 2015

SSP GSCI-Subindizes, indexiert zum 1. Januar 2015 120

 

zwar stärker als erwartet. Die Internationale Energie-agentur prognostiziert einen Anstieg um 1,4 Millionen Barrel pro Tag in diesem Jahr. Das sind 500.000 Bar-rel pro Tag mehr als zu Jahresbeginn erwartet. Aller-dings hat die OPEC ihre Ölproduktion ebenfalls kräftig erhöht. Saudi-Arabien hat zudem betont, bei einer stärkeren Nachfrage seine Ölproduktion weiter anhe¬ben zu wollen. Der Abbau des Überangebots muss deshalb vor allem durch ein geringeres Nicht-OPEC-Angebot erfolgen. Hierfür gibt es erste Anzeichen. Die Ölproduktion außerhalb der OPEC dürfte in diesem Jahr deutlich weniger steigen als im letzten Jahr, die US-Rohölproduktion in der zweiten Jahreshälfte sogar zurückgehen. Denn aufgrund des niedrigen Ölpreisni¬veaus wird in den USA so wenig nach Öl gebohrt wie zuletzt vor knapp fünf Jahren (Grafik 2). Dies dürfte sich mit gewisser zeitlicher Verzögerung in einer fallenden (Schiefer-)Ölproduktion niederschlagen und eine weitere Preiserholung in der zweiten Jahreshälfte unterstützen. Das größte Abwärtsrisiko für den Öl-preis stellt eine mögliche Rückkehr des Iran dar. Soll-ten nach einer Einigung im Atomstreit die westlichen Sanktionen gegen den Iran gelockert werden, könnte perspektivisch bis zu 1 Million Barrel pro Tag an irani- schem Öl zusätzlich an den Markt gelangen. Die an¬gespannte Sicherheitslage in mehreren Ländern des Mittleren Ostens und in Nordafrika spricht dagegen für eine gewisse Risikoprämie auf den Ölpreis.

US-Erdgas ist derzeit zu preiswert und dürfte in den kommenden Monaten merklich steigen. Die gesunke-ne Bohraktivität in den USA sollte sich in einer fallen-den US-Erdgasproduktion bemerkbar machen. Der US-Erdgasbedarf für die Stromerzeugung dürfte nicht nur aufgrund des niedrigen Erdgaspreises steigen. Hinzu kommt, dass aufgrund strengerer Umweltauflagen in den USA weitere Kohlekraft-

 

werkskapazitäten stillgelegt und diese auch durch erdgasbasierte Stromproduktion ersetzt werden. Die anziehende Konjunkturdynamik spricht zudem für eine höhere Erdgasnachfrage aus der Industrie. Gegen Ende des Jahres dürfte zudem der erste Verflüssigungs¬terminal in Betrieb gehen, womit die USA Flüssiggas (LNG) exportieren können. Ein kaum prognostizier-barer Einflussfaktor ist das Wetter. Ein heißer Som¬mer würde die Gasnachfrage für den Betrieb der Klimaanlagen erhöhen und den saisonüblichen Lageraufbau bremsen. Bei einem kühlen Sommer wäre der Bedarf niedriger und die US-Erdgasvorräte würden stärker steigen als jahreszeitüblich.

Der Goldpreis hat sich in den letzten Wochen nahe¬zu unbeeindruckt von der Zuspitzung und später Eskalation der Schuldenkrise in Griechenland gezeigt und handelt in etwa auf dem Niveau, bevor die Krise hochkochte. Eine über weite Phasen des ersten Halb-jahres hinweg schwache physische Nachfrage in Asien, die Unsicherheit über den Beginn der Zins-erhöhungen in den USA sowie der Rückzug spekula-tiver Finanzinvestoren dürften den Preis in Schach gehalten haben. Bis zum Beginn des Zinserhöhungs-zyklus in den USA, den wir im September erwarten. dürfte der Goldpreis unseres Erachtens nicht wesent-lich zulegen. Wenn diese Unsicherheit jedoch über-wunden ist, sollte Gold wie schon während des letz¬ten Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank Fed zwischen 2004 und 2006 wieder steigen. Stärkeres Aufwärtspotenzial sehen wir wegen der EZB-Anlei-henkäufe und des aufwertenden US-Dollar für den

 

Goldpreis in Euro (Grafik 3), Silber dürfte sich ohne großes Eigenleben im Fahrwasser von Gold bewegen. Die Kombination einer steigenden physischen Nach-frage und eines fallenden (Minen-)Angebots spricht für einen höheren Silberpreis. Die aktuelle Preis-schwäche bei Platin und Palladium ist fundamental nicht gerechtfertigt. Die Marktlage bei diesen beiden Edelmetallen dürfte sich dieses Jahr zwar merklich entspannen. Beide Märkte dürften aber das vierte Jahr in Folge im Defizit bleiben, was zu steigenden Preisen von Platin und Palladium beitragen dürfte.

Die Industriemetalle stehen aktuell unter dem Ein-druck der deutlich gestiegenen Risikoaversion der Marktteilnehmer, nachdem die Schuldenkrise in Griechenland eskaliert ist. Zuvor hatten Sorgen über eine stärkere Wachstumsabschwächung in China die Preise belastet. Der LME-Industriemetallindex ist

daraufhin auf ein 6-Jahres-Tief von rund 2.455 Punk¬ten gefallen. Von seinem Zwischenhoch Anfang Mai hat er gut 18 Prozent abgegeben. Neben zwischen¬zeitlich schwachen Konjunkturdaten sehen wir die spekulativen Finanzinvestoren für den Preisrückgang mitverantwortlich. Denn diese sind den Metallen gegenüber seit Wochen höchst pessimistisch einge¬stellt (Grafik 4). Viele Metalle haben in den letzten Wochen zudem charttechnisch wichtige Marken nach unten durchbrochen, was den Preisverfall wohl eben¬falls verstärkt hat. Die aktuell wenig optimistische Einstellung der spekulativen Finanzinvestoren sollte unseres Erachtens nicht von Dauer sein und ein Sprungbrett für höhere Preise darstellen, sollte die Stimmung ins Positive drehen.

Aus makroökonomischer Sicht hellt sich die Lage in China und den USA, den beiden größten Konsumen-

 

tenländern von Metallen, jedenfalls auf. So deuten die letzten Konjunkturdaten aus China auf eine Stabi¬lisierung der chinesischen Wirtschaft hin. Stimulie-rungsmaßnahmen seitens der Regierung und der Zentralbank sollten der chinesischen Wirtschaft in den kommenden Monaten weitere Unterstützung geben. In den USA zeigen die zuletzt veröffentlichten Daten, dass die Wachstumsschwäche im ersten Quartal ein Ausreißer war und die Wirtschaft seitdem wieder Fahrt aufgenommen hat. Eine stärkere Wirt-schaft sollte sich in beiden Ländern in einer höheren Nachfrage nach Metallen widerspiegeln und im Endeffekt deren Preise unterstützen. Die höhere Nachfrage dürfte zudem auf ein knapperes Angebot treffen, da bei den niedrigen Preisen kaum neue Projekte in Angriff genommen werden. Viele Metall-märkte sind unseres Erachtens angespannter, als es die niedrigen Preise andeuten.

Japanische Paralyse


Japanische Paralyse

Author D.Selzer-McKenzie

Video: http://youtu.be/7I2lUZehGqs

Die Bank of Japan (BoJ) verwirrte zuletzt mit ihrer Kommunikation bezüglich des Yen-Wechselkurses.

Ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik und damit Yen-Schwäche vom Tisch? Wir analysieren, ob eine weitere Lockerung nötig, möglich und von der BoJ gewollt ist.

 

Es ist eine Frage, die den Markt schon länger be¬schäftigt: Plant die BoJ angesichts einer Inflationsrate nahe null eine erneute Ausweitung ihrer expansiven Maßnahmen oder nicht? Ist es also weiterhin ange¬bracht, auf einen schwächeren Yen zu setzen? Der Markt interpretierte die Äußerung von BoJ-Chef Haruhiko Kuroda vor einigen Monaten, dass der Yen real wohl nicht weiter abwertet, als Hinweis auf eine vorerst unveränderte Geldpolitik. Aber reicht eine Schlagzeile, die inzwischen wieder eingeschränkt wurde, um diese Schlussfolgerung zu ziehen?

 

Die Signale aus der BoJ deuteten schon länger auf

eine abwartende Haltung in der Geldpolitik hin: Die BoJ redet sich die Inflation schön und muss sich

gleichzeitig damit auseinandersetzen, ob eine weitere

Ausweitung ihres QE-Programms erfolgversprechend ist. Der Yen-Ausblick hängt von drei Fragen ab:

(1)      Ist eine expansivere Geldpolitik nötig?

(2)      Ist eine expansivere Geldpolitik möglich?

(3)      Ist die BoJ zu einer expansiveren Geldpolitik bereit?

(1)      Ist eine expansivere Geldpolitik nötig? Im April 2013 führte die BoJ als letzte der G10-Zen-tralbanken ein explizites Inflationsziel ein. Nach 15 Jahren niedriger Inflation sollte im Rahmen des Kon-junkturprogramms »Abenomics« ein erneuter Ver-such unternommen werden, die japanische Wirt-schaft zu re-inflationieren, das Wachstum zu beleben und damit früher oder später den Staatshaushalt zu sanieren. Solange das Inflationsziel von 2 Prozent noch nicht erreicht ist, bleibt die Geldpolitik expan¬siv. Darunter leidet der Yen, was die Importpreise erhöht und sich über kurz oder lang in einem höhe¬ren Inflationsniveau niederschlagen sollte. Nachdem seit April jedoch der Effekt der Mehrwertsteuererhö-hung vor einem Jahr aus der Inflation herausfällt, wird für jeden offensichtlich, dass sich die Inflation auch nach zwei Jahren der Steuerung nur knapp über null und damit noch weit vom Ziel entfernt befindet. Die Glaubwürdigkeit der BoJ ist in Gefahr, wenn sie nicht mit weiteren expansiven Maßnahmen ihrer Entschlossenheit Ausdruck verleiht oder zumindest glaubhaft begründet, warum in den nächsten Mona-ten höhere Inflationszahlen zu erwarten sind. Ohne einen schwächeren Yen wird das aus unserer Sicht schwer. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt angebracht, um die Glaubwürdigkeit des Inflationsziels zu ge-währleisten.

(2)      Ist eine expansivere Geldpolitik möglich? Aber würde eine weitere Ausweitung des QE-Pro-gramms etwas bringen? Ende Oktober 2014 weitete die BoJ ihre Anleihenkäufe um 10 Billionen Yen auf jährlich 80 Billionen Yen aus. Der Yen verlor darauf-hin innerhalb eines Monats gut 8 Prozent gegenüber dem US-Dollar und fast 7 Prozent gegenüber dem Euro. Der Einfluss auf die Zinsen jedoch war gering; so ist die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen inzwi-schen wieder auf das Niveau von vor der Ausweitung

57.3-d: 10. Juli 2015; Quelle: BIS

 

zurückgekehrt. Eine Beobachtung, die auch der BoJ-Zentralbanker Takehiro Sato teilt und infolgedessen den zusätzlichen positiven Effekt einer weiteren Aus¬weitung in Frage stellt. Tatsächlich ist das Preisni¬veau nach der erneuten Lockerung nur mäßig gestie¬gen. Das lag zwar teilweise auch am fallenden Öl¬preis, aber auch ohne die volatilen Komponenten Nahrungsmittel und Energie ist die Inflation enttäu¬schend. Eine weitere Ausweitung des QE-Volumens ist zudem nicht unbegrenzt möglich. Derzeit kauft die BoJ im Jahr bereits gut 90 Prozent aller neu ausgege¬benen Staatsanleihen auf.

Das heißt aber nicht, dass die BoJ am Ende ihrer geldpolitischen Möglichkeiten angekommen ist. Sie müsste für einen deutlichen Effekt aber wohl neue Wege gehen. Der mäßige Erfolg bisheriger Ma߬nahmen lässt uns vermuten, dass die geldpolitische Lockerung eine Form annehmen muss, die die Bud¬getrestriktion des Staates umgeht. Eine expansivere Geldpolitik kann nur dann inflationär wirken, wenn das Geld auch in Umlauf gebracht wird. Daran scheint es in Japan zu hapern. Möglicherweise weil die enormen Staatsschulden bei Konsumenten und Unternehmen Zweifel an der langfristigen Schulden-tragfähigkeit schüren — und sie sich in Erwartung höherer Abgaben in der Zukunft bei Investitionen und Konsum zurückhalten. Ohne eine experimentelle Geldpolitik wird es der BoJ wohl kaum möglich sein, diese Einschränkung zu umgehen — etwa über die Abschaffung von Bargeld zur Durchsetzung von Ne¬gativzinsen oder über monetäre Staatsfinanzierung.

(3) Ist die BoJ zu einer expansiveren Geldpolitik bereit?

Ob die BoJ zu neuen, bisher unerprobten geldpoli¬tischen Maßnahmen bereit ist, ist eine andere Frage. Gleich mehrere Faktoren lassen uns daran zweifeln. Da ist zum einen das bisherige Abwarten der BoJ, obwohl die Inflation nach dem Wegfall des Mehr-wertsteuereffekts nahe null tendiert. Insbesondere weil der von der BoJ viel beschworene unterliegende Inflationstrend zwar tatsächlich stabil ist, unseren Berechnungen zufolge aber seitwärts geht. Auch der häufige Verweis auf die Verantwortlichkeit der Fiskal¬politik wirkt zunehmend so, als würde die BoJ sich lieber zurücklehnen und die Arbeit verstärkt der Poli¬tik überlassen. Darüber hinaus zeigen die Äußerun¬gen Satos, dass auch innerhalb der BoJ die Wirksam¬keit einer weiteren QE-Ausweitung durchaus ange¬zweifelt wird. Und schon länger werden nach jeder etwas schnelleren Yen-Abwertung die negativen Fol¬gen einer schwachen Währung diskutiert. Kuroda, der eine weitere Yen-Schwäche insgesamt anzwei¬felt, setzt dem Ganzen nur die Krone auf. Natürlich ist der reale effektive Wechselkurs so niedrig wie seit über 20 Jahren nicht, aber das heißt doch nicht, dass er nicht weiter fallen kann, wenn der Wille zu einer lockeren Geldpolitik besteht! Wie auch immer Kuroda die Äußerung tatsächlich gemeint hat oder verstanden haben will, wie eine Zentralbank, die nur darauf wartet, wieder loszulegen, wirkt die BoJ wirklich nicht.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass eine paralysier-te BoJ wie schon zu Beginn der Neunzigerjahre zu einer deutlichen Yen-Aufwertung führt. Denn auch wenn fraglich ist, ob und wann die BoJ noch einmal eine geldpolitische Schippe drauflegt, so zweifelt doch niemand daran, dass sie ihren derzeitigen Expansionsgrad beibehalten wird. Die BoJ wird also

 

deutlich expansiver sein als die Fed und ähnlich ex¬pansiv wie die EZB. Damit bleibt der Yen gegenüber dem US-Dollar unter Abwertungsdruck. Vorerst dürfte der US-Dollar/Yen-Wechselkurs sich nach dem jetzi¬gen Stand jedoch erst einmal seitwärts bewegen.

Längerfristig glauben wir nicht, dass Kuroda seine Passivität wird durchhalten können, dafür ist der Druck von Seiten der Fiskalpolitik zu groß. Und auch wenn ein steigender Ölpreis vorübergehend für höhe¬re Inflationsraten sorgen kann, sehen wir keine Anzei¬chen für eine anhaltende Inflationsdynamik. Früher oder später wird sich die BoJ mit einer Anpassung ihrer Geldpolitik auseinandersetzen müssen. Vorerst deutet aber alles darauf hin, dass die Hemmschwelle hierfür noch zu hoch ist.