Montag, 21. Dezember 2015

Trading Stopp Loss

Trading Stopp Loss

Author D.Selzer-McKenzie

Video:https://youtu.be/dC4urldLh-M

Der Stopp-Loss ist das wohl meist empfohlene Werkzeug zur Verlustbegrt' ning. Doch in den volatilen Börsen meiden viele Privatanleger die rote Linie. Die Experten von Prime Quants wollte genau wissen und haben in einer großen Untersuchung den Stopp-Loss unter die Lupe genommen.


Wenn Sie wollen, dass Ihre Aktien steigen, brauchen Sie sie nur zu verkaufen': weiß der Volksmund. In jedem Witz steckt aber auch immer ein Funken Wahrheit. So auch in die¬sen amüsanten Zeilen, dessen Pointe wohl jeder Börsianer schon schmerzvoll nachvollziehen musste. Sie beschreibt, wie schwierig es ist, eine Verkaufsentscheidung zu treffen

vor allem dann, wenn sich die Positionen mal wieder in ein dunkles Rot hüllen. Schuld an der Misere ist der soge¬nannte Dispositionseffekt, die Einstandspreisorientierung

also unser mentales Trading-Konto. Einem negativen


TRABES INSGESAMT NICHT AUSGESTOPPT AUSGESTOPPT EIN JAHR HALBES JAHR DREI MONATE EINEM MONAT



Vorzeichen geben wir dort mehr Gewicht als einem posi¬tiven in gleicher Höhe. Dies führt dazu, dass Gewinne zu früh und Verluste oft viel zu spät realisiert werden.
Aber wie lassen sich Verluste eigentlich begrenzen? Ganz einfach und in jedem Lehrbuch nachzulesen indem das laufende Engagement mit einem Stopp-Loss versehen wird. Dieser Orderzusatz kann direkt beim Kauf, wahlweise aber auch zu jedem x-beliebigen späteren Zeitpunkt aufge¬geben werden und legt fest, zu welchem Preis man die Posi¬tion wieder verkaufen möchte. Über die Jahre haben sich dabei Faustregeln entwickelt, welche Verlusthöhe bei welchem Investment sozusagen empfohlen" wird. Für Aktienanlagen gilt beispielsweise eine Größenordnung rund um 20 Prozent, je nach Volatilität und persönlicher Risikoneigung. So weit, so lehrbuch-mäßig, aber macht das auch Sinn?


Simulation zur Verlustbegrenzung
Um diese Frage beantworten zu können, wurde bei Prime Quants nachgerechnet: In einer umfang¬reichen Auswertung wurden ins¬gesamt 131.903 Trades in den 30 DAX-Aktien simuliert, indem getreu der Jeder-Tag-ist-Kauftag"-Strategie an jedem Handelstag eine Position eröffnet wurde, die anschließend mit einem 20-Prozent-Verlust-Stopp versehen wurde. Das Ergebnis: Von den 131.903 Trades wurden 91.693 Positionen (70 Prozent) ausgestoppt, wobei 51.021 (39 Prozent) innerhalb eines Jahres, 35.334 (27 Prozent) bin¬nen eines halben Jahres, 21.254 (16 Prozent) innerhalb von drei Mona¬ten und 6.422 (fünf Prozent) binnen eines Monats aus dem Depot flogen (siehe Bild 1). Bei 7.457 Engagements musste trotz des vermerkten Stopps ein Verlust von mehr als 20 Prozent hingenommen werden. 234 Mal waren es sogar über 30 Prozent. Eine Problematik, die mit dem sogenannten Gap-Risiko zusammenhängt. Gap ist der englische Begriff für eine Kurslücke, die entsteht, wenn der Schlusskurs der Vorperiode und der Eröffnungskurs des aktuellen Handelstages auseinanderklaffen.


Werfen Anleger einen Blick auf das bisherige Auf und Ab im Jahr 2015, dann stellen sie fest, dass das Gap-Risiko kei¬nesfalls nur wenig liquide Pennystocks betrifft, denn selbst einen großen Standardwert wie Apple kann es erwischen. So geschehen am 22. Juli und am 24. August, als die Aktie mit einem Abschlag von 6,7 Prozent beziehungsweise 10,3 Prozent in den Handel startete. Weitere Gap-Kandidaten waren unter anderem Wincor Nixdorf (minus zwölf Pro¬zent), Volkswagen (minus 14 Prozent), Drägerwerk (minus 18 Prozent), K+S (minus 24 Prozent) und natürlich Leoni mit einem Abschlag von 26 Prozent (siehe auch Bild 2).

Fazit: Lohnt sich ein Stopp-Loss für Trader?
Für Stopp-Loss-Anwender ist ein solches Gap oft gleich doppelt bitter, denn 1. wird man nicht nur zu einem wesentlich schlechteren Kurs ausgeführt, sondern hat 2. getreu unserer Volksweisheit anschließend auch das Nachsehen, wenn die Kurse wieder steigen. So war es unter anderem bei Apple, wo von den anfänglichen minus 10,3 Prozent am Tagesende nur noch minus 2,5 Prozent zu verkraften waren. Ist es deshalb also nun besser, auf den Stopp-Loss zu verzichten?


Die Antwort lautet: Nein! Zwar mussten Anleger sich bei 131.903Trades 7.457 Mal über ein Gap ärgern, doch das



entspricht lediglich einem Anteil von 5,6 Prozent. Die Wahr-scheinlichkeit, dass sich der Verlust durch eine Kurslücke auf 30 Prozent oder mehr ausweitet, kann sogar auf nur 0,2 Prozent beziffert werden. Zudem ist ein Stopp-Loss immer auch als eine disziplinare Maßnahme zu verstehen, denn schließlich zwingt er den Trader dazu, das Risiko im Blick zu behalten und schützt darüber hinaus einen Großteil des Kapitals. Am wichtigsten ist aber die Erkenntnis, dass sich in der Untersuchung trotz einer Stopp-Quote von 70 Pro¬zent dennoch eine positive Performance von durchschnitt¬lich 13,9 Prozent pro Jahr ergab.

Wie die Auswertung zeigt, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Ausführung bei einem 20-prozentigem Stopp in einem deutschen Standardwert immerhin bei 70 Prozent (ohne zeitliche Begrenzung), wobei in 39 Prozent der Fälle sogar damit gerechnet werden muss, dass Anleger inner-halb eines Jahres aus der Position geworfen werden.

Wichtig zu wissen: Es wurde zusätzlich ein zweiter Test mit einem engeren 10-Prozent-Stopp gestartet. Wie zu erwarten war, trübt sich die Trefferquote umso deutlicher ein, je enger das Marktkorsett gezogen wird. Das geht als logische Folge zu Lasten der Performance, denn die weni-gen Gewinne reichen nicht mehr aus, um die vielen kleinen Verluste wettzumachen. Gerade für Derivate-Trader ist dies ein wichtiger Aspekt. Wer mit hohen Hebeln agiert, sollte deshalb umdenken und beispielsweise den Knock-Out als Stopp-Kurs verwenden, da das Risiko dann über den Kapi-taleinsatz gesteuert wird, denn der Knock-Out ist eigentlich nichts anderes als ein garantierter Stopp.

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