Dienstag, 10. Oktober 2017

Genetic CRISPR CAS 9 von Selzer-McKenzie


Genetic CRISPR Cas 9  - Author Selzer-McKenzie

Author D. Selzer-McKenzie

Video: https://youtu.be/8oKB3Wf5gOE

Die neue Gen-Revolution: Was man zu CRISPR/Cas wissen sollte



CRISPR/Cas9 - dieses merkwürdige Kürzel steht für ein neues Verfahren, um DNA-Bausteine im Erbgut zu verändern, so einfach und präzise, wie es bis vor kurzem unvorstellbar war. In der Welt der Gentechnik ist es wirklich eine Revolution. Obwohl es aus Bakterien stammt, funktioniert CRISPR in nahezu allen lebenden Zellen und Organismen: Es verspricht neue Möglichkeiten gegen Aids, Krebs und eine Reihe von Erbkrankheiten – aber auch bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren. Schon jetzt ist darüber ein heftiger Streit entbrannt. Im Kern geht es darum, ob solche Pflanzen oder Tiere als „gentechnisch verändert“ anzusehen sind oder eher natürlichen Mutationen gleichen.





CRISPR/Cas-System mit „Sonde“ (Guide RNA) und „Schere“ (Cas9-Protein) (oben). Wenn der DNA-Doppelstrang durchtrennt ist, kann er auf verschiedene Weise wieder zusammengefügt werden: Im Regelfall gehen bei der Reparatur an der Bruchstelle einzelne DNA-Bausteine verloren (nicht homologe Rekombination, unten rechts). Die Folge: Das betreffende Gen kann nicht mehr richtig abgelesen werden. Möglich ist auch, bei der Reparatur des Bruchs einzelne DNA-Bausteile auszutauschen oder sogar Gen-Sequenzen einzufügen (homologe Rekombination, Mitte und links).



CRISPR/Cas9 ist eine neue, molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und anschließend zu verändern. Auf diese Weise können einzelne Gene – genauer: DNA-Bausteine – umgeschrieben oder „editiert“ werden. Solche Verfahren, zu denen etwa auch Zinkfinger-Nukleasen oder TALEN gerechnet werden, bezeichnet man daher zusammenfassend als Genome Editing.



Ursprünglich stammt das CRISPR/Cas-System aus Bakterien. Es dient ihnen als eine Art Immunsystem, mit dem sie Angriffe von Viren erkennen und abwehren können. Erst vor wenigen Jahren (2012) hatten zwei Molekularbiologinnen (siehe Kasten links) die geniale Idee, daraus ein molekularbiologisches Werkzeug zu entwickeln. Zur großen Überraschung funktioniert es nicht nur bei Bakterien, sondern universal bei allen lebenden Zellen – in menschlichen, aber auch in denen von Tieren und Pflanzen.



Im Kern laufen alle Genome Editing-Verfahren in drei Schritten ab: Zunächst muss im riesigen Genom einer Pflanze – das oft aus Milliarden Basenpaaren (DNA-Bausteine) besteht – punktgenau die Stelle gefunden und angesteuert werden, bei der eine Änderung durchgeführt werden soll. Dazu konstruiert man eine geeignet „Sonde“, die beim CRISPR-Verfahren aus RNA-Abschnitten (auch Guide RNA genannt) besteht, die den DNA-Abfolge der jeweiligen Zielsequenz entspricht. Wenn die Sonde diese „gefunden“ hat, dockt sie dort an, um den DNA-Doppelstrang genau an dieser Stelle mit einer molekularen „Schere“ zu durchschneiden - bei CRISPR ist es das Cas9-Protein, welches an die RNA-Sonde gekoppelt ist.



Anschließend treten die zelleigenen Reparatursysteme in Aktion: Sie flicken den durchtrennten DNA-Strang wieder zusammen - allerdings meist mit kleinen Fehlern. Die Folge: Das betreffende Gen kann nicht mehr richtig abgelesen werden und ist so blockiert. Möglich ist auch, dabei einzelne DNA-Bausteine auszutauschen oder kurze Sequenzen neu in den DNA-Strang einzubauen.



Der grundlegende Mechanismus - das Herbeiführen eines Doppelstrangbruchs und die anschließende Reparatur mit kleinen Fehlern - ist derselbe wie bei jeder zufälligen natürlichen Mutation. Auch die Mutationszüchtung beruht auf diesem Vorgang. Nur werden dabei solche Brüche durch Bestrahlung oder Chemikalien ausgelöst, unkontrolliert und in großer Zahl. Der entscheidene Unterschied: Beim Genome Editing geschieht es präzise nur an einer einzigen Stelle im Genom - genau an der, die für zu verändernde Eigenschaft verantwortlich ist.

Gibt es bei CRISPR und den anderen Genome Editing-Verfahren ähnliche Risiken wie bei der Gentechnik?



Genome Editing - und vor allem CRISPR - verringert die Probleme, die aus den Zufälligkeiten der Züchtung erwachsen – das bedeutet Zeit- und Kostenersparnis, aber auch mehr Sicherheit durch mehr Präzision. Das unterscheidet die neuen Verfahren von der herkömmlichen Züchtung, aber auch von der Gentechnik.



Bei der klassischen Gentechnik ist es vom Zufall abhängig, an welcher Stelle im Genom einer Pflanze das neue Genkonstrukt integriert wird. Daraus leiten Kritiker ein grundsätzliches Risiko der Gentechnik ab: Der ungezielte Einbau des „fremden“ Gens in bestehende Gen-Regionen kann deren Funktion beeinträchtigen und so die Eigenschaften einer Pflanze nachteilig verändern. Solche „unbeabsichtigten Nebenwirkungen“ sind ein wesentlicher Grund dafür, dass für gv-Pflanzen in fast allen Ländern der Welt Zulassungsverfahren vorgeschrieben sind. Dort müssen die Hersteller die Sicherheit ihrer Produkte nachweisen. Bisher hat dieses seit zwanzig Jahren praktizierte Konzept funktioniert. Aber eine Zulassung für gv-Pflanzen ist so zeit- und kostenintensiv geworden, dass nur noch große internationale Konzerne dazu in der Lage sind.



Ein solches „Risiko“ zufälliger oder unbeabsichtigter Veränderungen gibt es bei editierten Pflanzen kaum. Zwar ist es durchaus möglich, dass das CRISPR/Cas-System den DNA-Strang an einer „falschen“ Stelle schneidet. Da solche off-Target-Effekte etwa im medizinischen Bereich weitaus gravierendere Folgen haben könnten als in der Pflanzenzüchtung, haben Wissenschaftler sich schon länger mit diesem Problem beschäftigt. Viele hat es erstaunt, wie präzise CRISPR/Cas funktioniert und wie selten solche Fehler auftreten. Zudem wurden die molekularen Werkzeuge – CRISPR-Sonden und vor allem weitere Varianten der Cas-Proteinscheren (etwa Cpf1) – inzwischen weiterentwickelt und ihre Zielgenauigkeit noch einmal verbessert.



Eine Wissenschaftlergruppe um den Tübinger Detlef Weigel (Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie) hat daher vorgeschlagen, die durch Genome Editing herbeigeführten Erbgut-Veränderungen einer Pflanze genau zu dokumentieren. Auch solle - etwa durch entsprechende Sequenz-Analysen - belegt werden, dass keine Reste von eventuell vorher eingeführter Fremd-DNA im Erbgut der Pflanzen mehr vorhanden sind. Trifft das zu, unterscheiden sich die editierte Pflanzen und die jeweilige Ausgangspflanze nicht – bis auf die gezielt herbeigeführte Mutation.



Die große Mehrheit der Wissenschaftler ist sich einig: Unter diesen Voraussetzungen sollten editierte Pflanzen so eingestuft werden wie herkömmlich gezüchtete.

„Keine Gentechnik durch die Hintertür“ – Ist diese Kampagne gegen das Genome Editing gerechtfertigt?



Organisationen und Aktionsgruppen, die auch schon die klassische Gentechnik bei Pflanzen abgelehnt haben, übertragen ihre seit Jahren unveränderten Kritikpunkte einfach auf CRISPR und andere Genome Editing-Verfahren. Zwar räumen sie ein, dass sich die meisten editierten Pflanzen nicht von herkömmlich gezüchteten unterscheiden und deswegen das Verfahren auch nicht nachweisbar ist. Entscheidend für die Bewertung solcher Pflanzen sei jedoch nicht das fertige Produkt, sondern der Prozess, in dem es entstanden ist. Und dabei handele es sich um Gentechnik.



In der Tat werden die für das Editieren erforderlichen CRISPR-Werkzeuge – Guide-RNA und Cas-Schneideproteine – mit gentechnischen Verfahren in eine Zelle eingeführt. Wenn jedoch die beabsichtigte Mutation ausgelöst worden ist, werden sowohl die CRISPR-Werkzeuge wie das dafür codierende Genkonstrukt nicht mehr benötigt. Die nunmehr überflüssigen CRISPR-Werkzeuge werden aus der Zelle „entsorgt“. Das Genkonstrukt unterliegt den Vererbungsgesetzen: Nach der Vermehrung ist es in einem Viertel der Nachkommen nicht mehr vorhanden. Diese Pflanzen sind das Ziel: Erfolgreich editiert, aber ohne von außen eingeführte Fremdgene. Nur mit ihnen wird weitergearbeitet.

Am Ende bleibt eine Pflanze mit minimalen Veränderungen einzelner DNA-Bausteine. Das Verfahren hat keine nachweisbaren molekularen Spuren in der Pflanze hinterlassen. Wenn sich der editierte Bereich im Rahmen dessen bewegt, was sich auch bei spontanen, natürlichen Mutationen ereignen könnte, gibt es keinen rationalen Grund, das Produkt – die Pflanze – als „gentechnisch verändert“ einzustufen. Editierte Pflanzen liegen in der Regel näher an herkömmlicher Züchtung als an der Gentechnik. Besondere Vorschriften, etwa besondere Kennzeichnungs- oder Anbaubestimmungen wie bei der Gentechnik, wären am Produkt selbst ohnehin nicht kontrollierbar.

CRISPR/Cas in der Pflanzenzüchtung: Brauchen wir so was überhaupt?



Dennoch halten gentechnik-kritische Verbände an ihrer grundsätzlichen Anlehnung fest. Sie verweisen stereotyp auf nicht gekläre Risiken und verstärken so die Ängste viele Verbraucher. Mögliche Chancen der neuen Verfahren werden erst gar nicht ins Kalkül gezogen.



Allerdings sehen das in der Bio-Szene nicht alle so. Wissenschaftler wie Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) wollen editierte Pflanzen nach ihren Produkteigenschaften bewerten, nicht nach dem – ohnehin nicht nachweisbaren – Prozess. „Man sollte jede Anwendung einzeln bewerten, statt diese Technik generell abzulehnen“, so Niggli in einem Interview mit der taz (April 2016). Als sinnvolle Anwendungen nennt er, Gene für Krankheitsanfälligkeit auszuschalten oder Resistenzgene aus der verwandten Wildpflanze wieder in moderne Sorten einzuführen. „Da könnte man tatsächlich in großem Maßstab Pestizide einsparen.“



Man kann mit CRISPR/Cas nicht alles machen. Es ersetzt auch nicht alle anderen Züchtungsverfahren, sondern ist ein weiteres, in manchen Fällen äußerst hilfreiches Werkzeug - etwa dann, wenn es um die Widerstandsfähigkeit gegen Pflanzenkrankheiten geht. Oft sind solche Eigenschaften im Verlauf der jahrhundertelangen Züchtung verloren gegangen. Wenn entsprechenden Gene - oft in verkümmerter Form - noch vorhanden sind, können sie mit Genome Editing wieder aktiviert werden. Oder die Resistenzeigenschaften einer Kultursorte können damit schnell und mit vergleichsweise wenig Aufwand den sich immer wieder ändernden Strategien der Krankheitserreger angepasst werden.



Die Züchter müssen mit ihren Sorten nicht nur den sich ändernden klimatischen Bedingungen gerecht werden, sondern auch Schädlingen und Krankheitserregern immer einen Schritt voraus sein. Neue Verfahren wie CRISPR/Cas, die den Züchtungsprozess deutlich schneller und zielgenauer machen, können da von großem Vorteil sein.




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