Samstag, 20. Februar 2010

Ferrari 458 Autotest SelMcKenzie Selzer-McKenzie

Ferrari 458
Author D.Selzer-McKenzie
Der Author Selzer-McKenzie hatte Gelegenheit, den neuen Ferrari 458 probezufahren und hier seine Eindrücke:
Video:
http://www.youtube.com/watch?v=s2WX-4gYsaU

Es muss ja nicht gleich eine ethnologische Abhandlung sein, etwa mit diesem Ti¬tel: „Die Menschen und
ihre industriellen Fertigkeiten in Norditalien im Allgemeinen und in der Siedlung von Maranello im Besonderen."

Man muss auch keine Klischees von Eingeborenen und ihren ro¬ten Vehikeln bemühen. Dass die Mitarbeiter der Firma Ferrari fan¬tastische Autos produzieren, kann als wissenschaftlich gesichert gel¬ten — ganz einfach deshalb, weil sie sich seit mehr als 60 Jahren mit nichts anderem beschäftigen, als siegreiche Rennwagen und eng verwandte Straßenflitzer zu bauen, die ihnen aus den Händen gerissen werden. Das war auch im Krisenjahr 2009 der Fall, das wohl eine Verkaufseinbuße von nur fünf Prozent gebracht hat.
Für diese hohe Autobaukunst gibt es griffige Beispiele. Etwa das spezielle Lenkrad des neuen Fer

Wahrhaft griffige Konzepte zeichnen den Ferrari 458 Italia aus. So gibt das Lenkrad des Flitzers aus Maranello mehr als nur die Richtung vor — es ist die Kom-mandozentrale, fast wie in der Formel 1

rari 458 Italia. Das ist hier nicht bloß ein mit Leder bezogener Ring aus Magnesium und Schaum¬stoff. Sondern viel mehr. Das Lenkrad ist bei Ferrari neuerdings eine Kommandozentrale.
Weil dort die Bedienung von Radio und Bordcomputer unterge¬bracht ist? Von wegen, gerade die nicht. Beim Ferrari 458 wurden diese beiden Systeme auf zwei Bediensatelliten rechts und links des Drehzahlmessers ausgelagert. Stattdessen pflanzten die Inge¬nieure weit wichtigere Details ins Lenkrad: Blinker, Scheibenwi¬scher und Lichthupe, die nun mit dem Daumen bedient werden. Begründung: So können beide Hände — wie in der Formel l — im-mer am Steuer bleiben. Die guten alten Hebel neben dem Lenkrad gibt es dagegen nicht mehr. Das Siebengang-Getriebe mit Doppel¬kupplung wird, wie seit Jahren üblich, mit Paddeln an der Lenk¬radrückseite geschaltet.

Die Bedienung ist gewöhnungs¬bedürftig, funktioniert dann aber prima. Und es steckt mehr da¬hinter als Verspieltheit: Es ist die Übertragung der Philosophie vom Renngerät auf das Serienauto. Hilfreich beim Beherrschen die¬ser Fahrmaschine ist auch die sehr direkte Lenkung, speziell auf den gewundenen Landstraßen in den Hügeln hinter Maranello. Vom Anschlag ganz links bis zum Anschlag ganz rechts sind nur zwei Umdrehungen nötig — eine weniger als beim Vorgängermo¬dell und nur eine halbe mehr als in einem Formel-l-Renner. Der Straßenlage soll auch ein flexibler Frontflügel dienen: Er verformt sich bei hohen Geschwindigkei¬ten und hält so den Anpressdruck der Vorderachse auf die Straße in einem optimalen Bereich — ein System, das für die Formell ent-wickelt wurde, dort aber nicht mehr zugelassen ist. Von dieser Windkanalentwicklung profitie

ren nun die Kunden. Und dann der Motor: Aus 4,5 Liter Hubraum zaubert der Achtzylinder, dessen Klang Nackenhaare aufstellt, re-kordverdächtige 570 PS (127 PS pro Liter Hubraum) — denn Ferra¬ri verzichtet wie in der Formell auf die Hilfe von Turboladern oder Kompressoren.
F
ür 200000 Euro bekommt der Ferrari-Kunde also ein Auto, das näher dran ist an
der Königsklasse des Motorsports als jedes andere. Wie schon ge¬sagt: Die Leute von Ferrari be¬schäftigen sich seit 60 Jahren mit nichts anderem, und auch das neueste Modell wird ihnen bereits aus den Händen gerissen. Wobei das Bild etwas schief ist, denn die Geduld der Kunden wird auf eine harte Probe gestellt: Die Lieferzeit für den Ferrari 458 na¬hla beträgt angeblich 30 Monate.
Seit einiger Zeit ärgert die Bür-ger von Maranello ein Werbespot von Audi, der vor Klischees nur so trieft. Es geht um den Sportwagen R8, der durch die Straßen der Fer¬rari-Hauptstadt fährt. Das Film¬ehen zeigt zunächst einen lang-haarigen Tunichtgut, der aus einer
Kneipe auf die Straße tritt und schier vom Donner gerührt ist, als die rote (!) Audi-Flunder vorbei¬rollt. In der nächsten Einstellung hält ein unrasierter (!) Vater sei¬nem Kind die Augen zu, wäh¬rend der deutsche Sportwagen vorbeibrettert. Es folgt ein fieser Mechaniker in einer dreckigen Garage, der dem Eindringling hinterherspuckt. Und schließlich tauchen Halbstarke auf mit häss¬lichen Fratzen wie Fußballhoo¬ligans, die den Audi auf dem Mo¬torroller aus der Stadt jagen.
Damit das klar ist: Die Leute aus Maranello sind nicht so. Sie sind gut gekleidete, gebildete und kultivierte Menschen — wie die Einwohner von Neckarsulm oder Ingolstadt, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Die Menschen aus Maranello
würden einem Audi R8, der ja
in Wahrheit ein Lamborghini Gal
lardo ist und fast aus der Nach
barschaft von Maranello stammt,
vielleicht hinterherschauen. Aber
wahrscheinlicher ist, dass sie ihn
noch nicht einmal ignorieren
würden. Wunderbare Sportwagen
bauen sie ja schließlich selbst

Ferrari 458 Autotest SelMcKenzie Selzer-McKenzie

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.