Samstag, 13. April 2013

Trading Energieverbrauch im Blickfeld von SelMcKenzie Selzer-McKenzie


Trading Energieverbrauch im Blickfeld von SelMcKenzie Selzer-McKenzie

Author D.Selzer-McKenzie


 
 
 
 
 
 
 
 


 

Wir leben im Bereich der globalen Energie in einer Zeit des raschen Wandels. Zwar gab es auf der Angebotsseite an den Energiemärkten einige vielversprechende Antworten auf die Marktentwicklungen der letzten Jahre, doch die steigende zusätzliche Nachfrage aus den Emerging Markets bleibt eine Herausforderung. Gleichzeitig wird die mögliche Schiefergasrevolution in den USA (siehe KnowHow 3/2013) die Preisunterschiede unter den einzelnen Energieträgern wohl vergrößern, wobei strukturelle Änderungen auf der Verbrauchsseite vor allem außerhalb der USA nötig sein werden. Die vielerorts zunehmende Fokussierung der Politiker auf Energiethemen wird vermutlich dazu führen, dass Energieverbraucher künftig vermehrt die vollen Kosten zahlen müssen —das heißt, auch Kosten für mögliche Um-weltschäden wären im Preis enthalten. Ein Grund mehr, warum effiziente Energienutzung an Bedeutung gewinnen könnte.

Doch wer könnte Energie effizienter nutzen? Um dieser Frage nachzugehen, ist es notwendig, zuerst einen Blick auf die Unterschiede in den verschiedenen Ländern zu werfen. Energiereiche Länder wie Saudi-Arabien oder Russland, aber auch klassische Produktionsstandorte wie China, Japan oder Südkorea haben einen hohen Verbrauch. Die USA unternehmen aktuell Anstrengungen, Energie produktiver einzu- setzen. Doch es bleibt abzuwarten, ob Anreize geschaffen werden, damit insbesondere Unternehmen auf das billige Schiefergas zugreifen. Schließlich ist Gas im Vergleich mit Öl und Kohle der sauberere Brennstoff. Unternehmen aus energieinten-siven Sektoren, die permanent auf effiziente Energienutzung setzen, könnten von einem Kostenvorteil gegenüber ihren Mitbewerbern profitieren.

Ist der Anreiz zu mehr Energieeffizienz so groß wie in der Mitte des ersten Jahrzehnts seit dem Jahr 2000, als es zu einem schwindelerregenden Anstieg der Energiepreise kam? Vieles spricht dafür. Denn bisher wurden überwiegend nur auf der Angebotsseite Maßnahmen ergriffen, um die Energiepreise zu senken, während die globale Energienachfrage rapide anstieg. So bietet die Reduzierung von Energieverschwendung und ineffizienter Nutzung künftig enorme Chancen. Schließlich befindet sich mehr als die Hälfte unserer Welt noch immer in einer sehr energieintensiven Periode des Wachstums. Gründe dafür sind nicht nur die zunehmende Urbanisierung in den Wachstumsmärkten. Auch die Entwicklung der Produktion hin zu mehr Automatisierung erhöht den Energieverbrauch. Natürlich haben sogenannte Verlagerungseffekte Auswirkungen auf die entwickelten Volkswirtschaften, insbesondere dann, wenn ein Teil der energieintensiven Produktion aus dem Osten zurückverlagert wird.

Parallel hierzu ist eine steigende Fokussierung auf die Begrenzung der Emissionen und die anderen Folgen des übermäßigen weltweiten Energieverbrauchs zu beobachten. Die ökologischen Kosten sollen in den Energiepreisen enthalten sein, die Verbraucher zahlen müssen. Höhere Steuern auf Energie- und Stromverbrauch und ein gebremstes Wirtschaftswachstum könnten die Folgen sein. Mehr Energieeffizienz könnte dem entgegenwirken.

POTENZIAL FÜR MEHR ENERGIEEFFIZIENZ Die Frage, welche Volkswirtschaften Energie produktiver verwenden könnten, hängt zunächst davon ab, wie man Energieintensität misst. Die beiden am häufigsten verwendeten Kennzahlen sind der Energieverbrauch pro Kopf und der Energieverbrauch pro BIP-Einheit. Die USA verbrauchen relativ viel im Vergleich zu anderen entwickelten Volkswirtschaften, lässt man energie- und rohstoffreiche Länder wie Kanada, Australien und Norwegen außen vor. China und Brasilien befinden sich aktuell in sehr energieintensiven Phasen ihres Wachstums. Ähnliches gilt für Indien. Insgesamt zählt jedoch mehr, welches Niveau der Energieverbrauch dieser drei Länder mit zunehmender Industrialisierung erreichen wird, denn sie stehen immerhin für rund 40 Prozent der Weltbevölkerung.

Derzeit ist der Energiekonsum pro Person in China, Brasilien und Indien nach wie vor gering (siehe Abb. 1). Aufgrund der großen Unterschiede lässt sich eine Prognose über den künftigen Verbrauch nicht einfach aus den heutigen Zahlen der Industrieländer extrapolieren. Indiens Bevölkerung beispielsweise ist viermal so groß wie die der USA und lebt auf etwa einem Drittel des Raums. Es ist schwer vorstellbar, was passieren würde, wenn die Dichte der Autobesitzer von aktuell etwa 20 pro tausend Einwohner in Indien auf das heutige Niveau der USA von über 800 steigen würde. Das Beispiel zeigt: die Zusammensetzung der Volkswirtschaft, der Zugang zu Energie sowie die Fläche und Bevölkerungsdichte sind wichtig.

Beim Blick auf die Struktur von entwi-

            ckelten Volkswirtschaften fällt auf, dass

            viele Länder in den vergangenen beiden

            Jahrzehnten durch die Verlagerung von

            Fertigungsstandorten ins meist östliche

            Ausland auch Energieintensität und öko-

            logische Kosten outgesourct haben. Da-

            durch erscheint die eine oder andere Na-

            tion auf den ersten Blick womöglich ener-

            giebewusster, als sie in Wirklichkeit ist.

            Beispielsweise hat sich die Energienutzung

            pro Person in Großbritannien seit 1990

            um 14 Prozent verbessert. Aber gleichzei-

            tig ging der Anteil der Industrieprodukti-

            on am Bruttoinlandsprodukt von 19 auf

            10 Prozent zurück. Zum Vergleich: In

            China sind es heute 33 Prozent. Hinzu

            kommt, dass Energie, die in Importgütern

            steckt, kaum messbar ist. Möglicherweise

            würde die Verbesserung der Energieeffi-

            zienz in entwickelten Volkswirtschaften

            wesentlich weniger deutlich ausfallen,

            wenn man solche Aspekte mit einbezieht.

            Beim Blick auf die einzelnen Sektoren fällt

            auf, dass die Bereiche Bau, Transport und

            Grundstoffe die größten Verbraucher von

            Energie sind. Dabei bleiben die Stromver-

            sorger und die Chemieunternehmen als

            direkte Energiekonsumenten unberück-

            sichtigt. Im Allgemeinen ist die Investition

            in neue Anlagen eine der einfachsten

            Möglichkeiten, um die Energieeffizienz zu

            verbessern. Was hält die Unternehmen ei-

            gentlich davon ab?

           

Einer der Gründe ist Vorsicht: Als eine Art Reflex begannen viele Firmen nach der Finanzkrise damit, Vertrauen zurückgewinnen zu wollen, indem sie Liquidität horteten. Dies hat das Durchschnittsalter der

Energieeffizienz: die Verbraucherseite

Vermögenswerte tendenziell erhöht. Bei den Unternehmen, die von Goldman Sachs in Europa untersucht werden, kam es beispielsweise zu einem Anstieg von sechs auf 8,2 Jahre seit 2002. Diese Entwicklung scheint schwer verständlich. Schließlich lassen sich solche Investitionen häufig recht schnell amortisieren, zumal auch viele Regierungen derartige Projekte mit Geldern unterstützen. Gerade im Infrastrukturbereich scheinen solche Ersatzinvestitionen attraktiv, da sie Ertragsprofile

 aufweisen, die mit der Energiepreisentwicklung positiv korrelieren.

Bei Investitionen in neue Anlagen außerhalb des Ersatzinvestitionszyklus bedarf

es dagegen eines deutlicheren Anreizes

bzw. einer größeren Klarheit über die langfristigen Einsparmöglichkeiten. Mit anderen Worten: Unternehmen müssen oft zwischen Investitionen in mehr Wachstum und Ausgaben für das Energiesparen wählen. Letzteres ist schwerer zu messen und in gewisser Weise auch weniger herausfordernd.

„LOST IN TRANSMISSION"

In welchen Bereichen kann Energieeffizienz erreicht werden? Da wäre als erstes eine effizientere Erzeugung und Vertei-

lung   ;1

 von Strom. So werden beispielsweise im Durchschnitt nur 35 Prozent der eingesetzten Energie von Kohleerzeugungsanlagen in elektrischen Strom umgewandelt.

 Neun Prozent des produzierten          e~ Stroms gehen während der Übertragung verloren. Neue Anlagen und die Verwendung der neuesten Technologien könnten diese Verluste deutlich reduzieren. Dies

'ürde von den Emerging Markets verlan-gen, Anlagen mit Bedacht zu errichten, während die entwickelten Länder ihre alternde Infrastruktur in diesem Bereich überholen sollten. Ein Beispiel: Über 60 Prozent der US-Kohlekraftwerke sind mehr als 40 Jahre alt.

Alternative Energiequellen sollen künftig einen größeren Anteil an der Stromerzeugung haben. Europa hat ein 20-ProzentZiel für das Jahr 2020 gegenüber aktuell 12,5 Prozent. China will 30 Prozent bis zum Jahr 2015 erreichen. Aktuell sind es 21 Prozent. Sogenannte „Smart Grids", also intelligente Stromnetze, werden benötigt, um die wetterbedingt inkonsistente Stromversorgung aus Solar- und Windenergie auszugleichen. Die Energiespeicherung ist ein weiterer Forschungs- schwerpunkt.

NEUE MATERIALIEN

Die zweite Möglichkeit, eine verbesserte Energieeffizienz zu erreichen, beruht auf der Verwendung von neuen Materialien. Diese Materialien reduzieren den Eneraie-

b

einsatt für eine bestimmte Output-Men-

ge. So nimmt beispielsweise der Einsatz` von Kunststoffen im Automobilbau lang-

 aber stetig zu. Immer häufiger werden solche Teile anstelle von schwereren, mehr Energie verbrauchenden Materialien z.B. aus Stahl verwendet. Neue Materialien, die hitzebeständig sind und auch resistent gegen Wasser und viele andere organische Stoffe, kommen in verschiedensten Branchen zum Einsatz — von der Ölförderung bis hin zum Smartphone.

OPTIMIERTER ENERGIEVERBRAUCH

Bei der dritten Gruppe von Energieeffizienzlösungen geht es um eine permanente Reduktion der Verschwendung. Auch sie optimieren den Energieverbrauch. Automatisiertes oder sensorbasiertes Management von Beleuchtung, Heizung und Lüftung

 hilft, den Energieverbrauch in Gebäuden zu optimieren. Ein weiteres Beispiel sind moderne Navigationssysteme in

Autos. Denn 50 Prozent des Kraftstoff-+verbrauchs auf Straßen wird durch Staus verursacht. So kann die kombinierte Nutzung von Technologie, Datenbanken, Sensoren und Karten — auch bekannt als „Intelligent Transportation Systems" — dazu beitragen, Kraftstoffe gezielter einzusetzen. Weitere Beispiele finden sich im Haushalt. „Intelligente" Staubsauger oder effizientere Geschirrspüler, die Strom und Wasser auf der Grundlage der Waschladungen bestimmen, sind schon seit einiger Zeit erhältlich.

Es bleibt also spannend auf den Energiemärkten. Während die Angebotsseite mit neuen Techniken, wie der Gewinnung von Schiefergas, Einfluss auf die Energiepreise nehmen wird, können moderne Technologien den Verbrauch senken. Welche Wirkung auf die Preise das langfristig hat, wird sich zeigen.

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