Donnerstag, 8. Oktober 2015

Ich sage: Keine Zinserhöhung der US-Fed bis 2017


Ich sage: Keine Zinserhöhung der US-Fed bis 2017

Von D.Selzer-McKenzie

Ich behaupte, dass es bis mindestens Januar 2017 keine Zinserhöhung der US-FED geben wird und die Zinsen auf diesem niedrigen Niveau bleiben werden.

Die US-Konjunktur ist zwar wieder angesprungen, aber das war nur ein Strohfeuer, rezessive Erscheinungen sind schon wieder da.

Über kaum ein Ereignis der Finanzwelt in den vergangenen Jahren wurde so viel spekuliert wie über die Pressekonferenz der amerikanischen Zentralbank am 17. September 2015. Viele Marktbeobachter hielten eine Erhöhung der Leitzinsen über die magische 0,25-Prozent-Marke für wahrscheinlich. Doch es kam anders. Das Rätselraten über die Zinspolitik der Fed geht weiter.

Monatelang wurde auf und jenseits der Fi¬nanzmärkte spekuliert, jede Information über die amerikanische Wirtschaft seziert und jede noch so nebensächliche Äußerung der Beteiligten interpretiert. Im Zentrum der Aufmerk¬samkeit steht dabei Janet Yellen, die 69-jährige Präsidentin der amerikanischen Zentralbank, die gleichzeitig das Amt der Vorsitzenden des Offen-marktausschusses (Federal Open Market Commit-tee) innehat. Dieser Ausschuss, der aus den Prä¬sidenten regionaler Federal-Reserve-Banken sowie dem Direktorium der Zentralbank besteht, kommt achtmal im Jahr zu Beratungen zusammen, um unter anderem über die Zielgrößen für die ameri¬kanischen Leitzinsen zu befinden.

DEN RICHTIGEN ZEITPUNKT TREFFEN

Selbstverständlich hat das andauernde Rätselraten über eine mögliche Zinserhöhung, das mit jedem Ausbleiben einer solchen nicht weniger wird, auch Auswirkungen auf Volkswirtschaften außerhalb der Vereinigten Staaten. So macht die „Neue Zür¬cher Zeitung" unter dem Titel „Rätselraten über die Fed bremst Aktivität" am 9. September 2015 die merkliche Zurückhaltung auf dem Schweizer Kapitalmarkt auch an der ausstehenden bezie¬hungsweise erwarteten Zinsentscheidung fest.

Warum diesem Schritt und seinem Zeitpunkt eine solch große Bedeutung beigemessen wird, zeigt die Rückschau deutlich. Denn was beim

isolierten Blick auf die vergangenen fünf Jahre nach reichlich Bewegung auf dem Zinsmarkt aussieht, entpuppt sich schnell als minimales Oszillieren un-terhalb von 0,20 Prozent (siehe Grafik unten). Be-trachtet man dagegen die Leitzinsentwicklung in den USA über einen längeren Zeitraum, beispiels¬weise seit dem „Schwarzen Montag", dem 19. Ok¬tober 1987, wird schnell deutlich, dass eine derartig

US-LEITZINSEN

Was auf den ersten Blick wie Bewegung bei den Leitzinsen aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Oszillieren unterhalb von 0,20 Prozent.

Stand: 22.D92015, Quelle: Board of Governors of the Federal Reserve System

 

lange Phase kontinuierlich niedriger Leitzinsen nicht der Regelfall ist. Hochzins-Phasen, wie sie Anfang der 1980er-Jahre mit Zinssätzen knapp unter 20 Prozent (Juni 1981: 19,10 Prozent) herrschten, liegen weit hinter uns und auch für Leitzinsen von mehr als 5,0 Prozent muss man bis 2007 zurückgehen (August 2007: 5,02 Prozent). Seit Dezember 2008 liegen sie in einem Korridor zwischen 0,00 und 0,25 Prozent. Damals hatte die Fed in mehreren Schritten die Leitzinsen gesenkt, um die Folgen der Subprime-Krise der Jahre 2007 und 2008 abzufedern. Eine Entscheidung, diesen Zinskorridor nach sieben Jah-ren zu verlassen, könnte daher auch als Zeichen gewertet werden, dass diese Krise endgültig über-wunden ist.

Kein Wunder also, dass sich Mitte September alle Augen auf die Fed und Janet Yellen richteten. Wie auf der letzten turnusmäßigen Pressekonferenz im Juni bestätigte sie auch im September die Kri-terien, die der Offenmarktausschuss seinen Ent-scheidungen über eine mögliche Erhöhung der Leitzinsen zugrunde legt: Das Gremium orientiere sich zwar an einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung der amerikanischen wie globalen Wirt-schaft, vor allem aber seien es die Arbeitsmarkt-zahlen sowie die Inflationsrate, welche die Ent-scheidungsfindung des Ausschusses leiteten.

Mit diesem Schritt hat sich die Fed den Erwartungen des Marktes gebeugt und einen Zinsschritt weiter verschoben. Damit hat die Fed erneut nur mit Worten agiert, während die Märkte weiter auf Taten warten müs¬sen. Der ausgebliebene Zinsschritt be¬schneidet den Spielraum der Fed, die Zinspolitik proaktiv zu gestalten, weil sich das Zeitfenster für einen Zins¬schritt weiter verengt. Da die Märkte bekamen, wonach sie zuletzt verlangt hatten, dürften die Marktreaktionen verhalten bleiben. Tendenziell sollten Risikoanlagen leicht profitieren. Das Statement der Fed mit der Betonung der „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen" war weniger offensiv als die anschließen¬de Pressekonferenz. In dieser betonte Janet Yellen, dass sich grundsätzlich nichts geändert habe und eine Zinsan¬hebung im Oktober weiterhin möglich sei. Deshalb müssen wir nun auf das nächste Treffen des Offenmarktaus-schusses der Fed warten.

BEWEGUNG AUF DEM ARBEITSMARKT

Auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Dynamik beim Beschäftigungswachstum verstetigt. Die Arbeits-losenquote ist im August um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat gesunken und beträgt 5,1 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte sie noch bei 5,7 Prozent gelegen, so die Zahlen des Bureau of Labor Statistics. Insgesamt ist bei der Arbeitslosenquote eine ebenso nachhaltige wie erfreuliche Tendenz zu losen seit 2010, als das Jahr mit einer Quote knapp unter zehn Prozent begann, laut der offiziellen Sta-tistik fast halbiert. Die Fed selbst hat ihre Projektion für 2015 sogar noch deutlicher korrigiert und geht nun für das Gesamtjahr von 5,0 Prozent aus (Juni: 5,3 Prozent).

Die Inflationsrate verharrt allerdings noch unter der langfristigen Zielmarke von 2,0 Prozent. Immer-hin, so Yellen, sei der Druck auf die Inflationsrate durch die zuvor stark fallenden Energiepreise abge-ebbt. Der Ausschuss werde eine Zinserhöhung erst beschließen, wenn weitere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt zu erkennen seien und er hinreichend zuversichtlich („reasonably convinced") sei, dass die Inflation sich mittelfristig auf die Zielgröße von 2,0 Prozent hinbewege.

EINFLUSSFAKTOR INFLATION

Auf der folgenden Pressekonferenz stellte Yellen zudem nochmals klar, dass ihrer Meinung nach die Glaubwürdigkeit der Fed von der Verteidigung der Inflationsziele abhänge. Die Projektion der Fed hin¬sichtlich der Kerninflationsrate für das Gesamtjahr 2015 haben die Zentralbanker auf 1,4 Prozent er¬höht, während sie im Juni noch von 1,3 Prozent für 2015 ausgegangen waren. Das tatsächliche Erreichen der Ziel-Inflationsrate wird allerdings erst für 2018 erwartet.

Der Verbraucherpreisindex — eine weitere Beur¬teilungsgröße für die Inflation — betrug nach Mittei¬lung des US-Arbeitsministeriums im August 1,8 Prozent. Auch wenn sich die Fed bei der Messung der Inflation vor allem auf die privaten Konsumaus¬gaben ohne Energie und Nahrungsmittel bezieht, ist dies ein positives Zeichen. Die wirtschaftliche Lage, so Yellen weiter, habe sich verbessert und der Ausschuss gehe unverändert davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt weiterwachse und der Anstieg der Beschäftigung und die niedrigeren Energiepreise den privaten Konsum stimulierten. Beim realen Bruttoinlandsprodukt hat das Bureau of Economic Analysis die Schätzungen der Wachs¬tumsrate für das zweite Quartal 2015 nach Vorlie¬

 

gen einer breiteren Datengrundlage auf 3,7 Prozent erhöht. Im August war die Behörde noch von le¬diglich 2,3 Prozent ausgegangen.

Schließlich warnte die Fed-Chefin ausdrücklich davor, den Zeitpunkt der Leitzinserhöhung über¬zubewerten, da davon auszugehen sei, dass sich die Geldpolitik der Notenbank für geraume Zeit („for quite some time") sehr flexibel gestalten wer¬de, damit die angestrebten Ziele einer möglichst hohen Beschäftigungsrate („maximum employ-ment rate") sowie einer Inflationsrate von zwei Prozent langfristig erreicht würden.

WIE GEHT ES WEITER?

Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses ist für den 27. und 28. Oktober 2015 terminiert —allerdings ist eine Pressekonferenz, die für die Ver¬kündung einer Änderung in der Leitzinspolitik genutzt wird, bisher nicht vorgesehen. Auf entspre-chende Nachfrage bestätigte Yellen, dass der Aus¬schuss sich auf jeder Sitzung entscheiden könne, eine Änderung der Zinspolitik vorzunehmen, das gelte auch für die Sitzung Ende Oktober. Eine Zins¬korrektur sei möglich („So, yes, October remains a possibility"). In diesem Fall würde eine Pressekon¬ferenz kurzfristig einberufen.

Wie immer die Entscheidung der Fed aber aus¬fällt, sie wird Konsequenzen für die Märkte haben. Am Tag darauf, dem 29. Oktober, analysiert >

Sollte auch im Oktober keine Entscheidung hinsichtlich einer Erhöhung der Leitzinsen auf einen Zinssatz von über 0,25 Prozent fallen, besteht in diesem Jahr letztmalig am 15. und 16. Dezember die Möglichkeit einer Zinsanpassung durch die amerikanische Notenbank.

ZERTIFIKATE AUF DEN US-AKTIENMARKT

Anleger, die ähnlich wie die Fed von einer grund-sätzlich positiven Entwicklung der US-Wirtschaft ausgehen, können mit Discount-Zertifikaten auf

 

die bekanntesten und größten US-Indizes breit diversifiziert am amerikanischen Aktienmarkt par-tizipieren. Discount-Zertifikate ermöglichen die Teilnahme an der Wertentwicklung des Basiswerts. Durch den Discount—den Preisabschlag beim Kauf des Zertifikates gegenüber dem Kurs des Basis-wertes —fallen eventuelle Kursverluste im Vergleich zum Basiswert gedämpfter aus. Dafür verzichtet der Anleger auf eine unbegrenzte Teilnahme an einer positiven Wertentwicklung des Index. Wer sich gegen eventuelle Wechselkursschwankungen des Dollar zum Euro absichern möchte, kann mit Quanto-Zertifikaten auf den jeweiligen Basiswert zugreifen.

Als Basiswert empfiehlt sich beispielsweise der Dow Jones Industrial Average, der die Wert-entwicklung 30 bedeutender amerikanischer Un-ternehmen abbildet, die in ihrem jeweiligen In-dustriezweig eine führende Rolle einnehmen. Feste Aufnahmekriterien bestehen aber nicht. Jüngstes Indexmitglied ist Apple — der Technik¬konzern aus Cupertino wurde erst im März dieses Jahres aufgenommen —, das älteste, General Elec-tric, wird bereits seit 1907 im Index geführt. DieBerechnung des Barometers erfolgt durch Dow Jones & Company, die für die Zusammensetzung des Index sowie für die Gewichtung seiner Be¬standteile verantwortlich sind. Durch die Konzen¬tration auf lediglich 30 Blue Chips ist der Dow Jones Industrial Average zudem ein besonders liquider Index.

 

 

 



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