Montag, 12. Oktober 2015

Madrid Spain


Madrid Spain

Ein Reisebericht von D.Selzer-McKenzie

Video: https://youtu.be/2h_JNlxlZWI

Versuch einer persönlichen Spurensuche

Nur der Himmel ist

schöner • •

... sagt ein altes Sprichwort. Diesen Eindruck gewinnen Madrid-Besucher und sammeln unvergessliche Erinnerungen. Deswegen bleiben sie der Stadt auch treu.        

            Die Fußgängerbrücke Ponte Arganzuela ist futuristisch gestaltet.

 

 

PP> Ich sitze auf der Dachterrasse des Cibeles-Palasts mit dem Rücken an die Mauer gelehnt. Sie ist Teil des Hauptturms, der weit über mei¬nem Kopf im Himmel endet, hübsch verziert mit filigranen Sporen, dem Zacken einer Königs¬krone gleich. Ich trinke ein Glas Verdejo, fruch-tigen, trockenen Weißwein aus dem Rueda, einer Gegend im Norden Kastiliens. Aus Lautspre¬chern wabern sphärische Klänge, die den Ver¬kehr eine Ebene tiefer nur knapp überdecken. Ich liebe diese Stadt. Sie geht mir unter die Haut. Ich kann gar nicht anders als Madrid treu zu sein wie einem Menschen, der mich berührt hat, der viel von mir gefordert hat und dem ich vertrauen musste, dass er es gut mit mir meint.

Heimat von Millionen, offen für alle

Ich blicke auf die Mauern, über Giebellinien, auf Türme und Kuppeln und denke, dass all das Bühne und Schauplatz für das Leben der Madri-

 

lenen ist. 3,3 Millionen sind es etwa, die Madrid zur drittgrößten Stadt der EU machen. Die Ta¬gesordnung der Einwohner ist gefüllt mit unter¬schiedlichsten Träumen, Hoffnungen, Ansprü¬chen und Notwendigkeiten.

Es ist später Nachmittag, der Tag meiner Anreise. Kastilianische Tieffliegerwolken starten Angriffe auf mein Gemüt. Es ist eins dieser Wetterspek¬takel, die ich hier so schätze. Neben Gewittern und Platzregen auch gestochen scharfes Licht und das gelegentliche, sanfte rötliche Glühen auf den Fassaden, nachdem die Sonne unter-gegangen ist.

Irgendwann im 9. Jahrhundert durfte hier je¬mand eine Burg bauen. Damit begann die Ge¬schichte Madrids. Häuser kamen im 13. Jahr¬hundert hinzu. Ab 1561 war Madrid Residenz¬stadt. Und die Burg wurde zum Königspalast.

Ich denke an meinen ersten Madrid-Besuch. 1988, mit Mitte 20, habe ich über Spanien gele¬sen, wollte hin und fand einen Kunden, der Madridbilder brauchte: Puerta del Sol, Plaza de Oriente, Gran Via, Oper, Königspalast, Kathedrale,

 

Gran Cafe de Gijon, Plaza de Cibeles, Retiropark und die Kunstmuseen - es dauerte keine drei Tage, und die Top Ten waren abgelichtet. Eines Abends dann, auf dem Weg von der Plaza de Espagna mit ihrem Don Quijote-Denkmal zur Oper, musste ich eine dunkle Unterführung pas-sieren. Mir kam eine grauhaarige, zierliche Dame entgegen, gut zwei Köpfe kleiner als ich, und er¬zählte mit großen Augen etwas von peligrosso, gefährlich! Sie deutete auf meine Ausrüstung, hakte sich unter und hielt ihre Waffe, eine kasta¬nienbraune Handtasche, immer griffbereit. Ab-schreckung ist eben alles.

Mit Gleichaltrigen auf Entdeckungstour

Am selben Abend kaufte ich mir einen spani¬schen Sprachkurs, den ich erst jetzt dem Müll an¬vertraue. Fassaden traten in den Hintergrund. Ich heftete mich an die Fersen Gleichaltriger. Anfangs unbemerkt, wurde ich bald entdeckt, zu einemBier eingeladen und lud zurück und, Glück, auf spanglish erfuhr ich vom autolosen Leben in der Stadt, von übervollen WGs, vom Improvisieren, der Universität und schon damals den Schwierig¬keiten, nach der Plackerei im Studium einen gut bezahlten Job zu bekommen. Wir besuchten Konzerte, Kneipen, Tapasbars, Flamenco im Latina. Es dauerte keine Woche, da hatte ich eine Karte der Innenstadt Madrids angelegt, Straßen und Zeiten verknüpft. Erst viel später erkannte ich: Nicht ich habe Madrid erobert, sondern es hat mich um den Finger gewickelt.

Das Leben kann auch anders

Viele weitere Besuche folgten, viel Erlebtes, nie kalt, nie abgestanden. Damals, die wilden Jahre der Movida, so nannte sich die Kulturbewegung, die das Ende der Francodiktatur feierte, das Wochenende „Noche" nannte, Nacht, und durch¬feierten, um auch den letzten Rest Muff ihrer Jugend zu überwinden und dem Establishment zu zeigen, dass Leben auch anders gehen kann. Pedro Almodovar, der große Held jener Tage ist heute

für seine Filme weltweit bekannt.

 

Im Nobelstadtteil Salamanca ziehen dutzende Boutiquen zahlungskräftiges Publikum an.

Reisen ist wie Leben, nur dichter gefügt. Es geht um alles wollen, hier und jetzt. Und Madrid ist die optimale Bühne. Schön anzusehen, an jeder Ecke gut für eine Überraschung, die sich dann mit Lichtgeschwindigkeit ins Gedächtnis brennt.

Ein ganz besonderer Tag

Ich denke oft an den alten Herrn, der mich beim Fotografieren beobachtete und an mich heran¬trat. Ich konnte ihm nicht mal klar machen, dass ich kaum Spanisch spreche - auch weil dies das einzige war, was er sprach. Verstanden haben wir uns trotzdem. Er hielt mich bei der Hand, führte mich in ein Cafe. Wir tranken ein Glas Wein. Er redete von Luz, Licht, von Komposition, von Velazquez, Goya, Ribera und Hieronymus Bosch. Das waren die Worte, die ich verstand.

Ich kannte keinen der Maler. Der nächste Tag sollte das ändern. Ich traf ihn am Eingang zum Prado und folgte ihm Schritt für Schritt. Ich war gespannt, was er mir zeigen wollte. Wer weiß,

 

Madrid ist die Hauptstadt Spaniens und Europas Satellit in die spanischsprachige Welt. Auch diese hat mir die Stadt eröffnet. Am Cibeles-Palast lie¬fen früher die Fäden der Post und der Telekom-munikation zusammen. Im Jahr 2007 zog Ma¬drids Stadtverwaltung hierher an einen der be¬triebsamsten Plätze Europas. Hier kreuzt die Calle de Alcala, die ihr Ziel in ihrem Namen trägt, den Paseo, den großen Boulevard der in südlicher Richtung „del Prado" heißt und nach Norden erst „Recoletos", dann „Castellana" genannt wird. Nachbarn der Stadtverwaltung sind die Spanische Notenbank, das Verteidigungsministerium und die Casa de Americas. Mag sein, dass die Bank¬zentralen im neuen Geschäftszentrum Madrids den Cibeles-Palast an Höhe weit überragen. Sollen sie, von hier habe ich die schönste Ver¬kehrsinsel Madrids im Blick: Den Brunnen mit der griechischen Göttin Kybele auf ihrem Streitwagen, den Löwen ziehen. Jede größere Demonstration zieht hier vorbei und Madrid lässt es mächtig krachen, wenn Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos und Co vom Club der Königlichen erfolgreich waren. Der Stadt kann's recht sein. So bleibt der

 

 

Schriftsteller, Musiker, Modeschöpfer füllen die Liste der Kulturbewegung, allen voran Felipe Varel, der auch Prinzessin Letizia einkleidet.     Beste -, mir öffnete er die Augen. Auch als ich ein andermal die Liste anderer Museen und Künstler abgearbeitet habe die er für mich angefertigt hat.     ausgedient hat.    

 








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