Montag, 26. Oktober 2015

Ölschwemme ohne Ende?


Ölschwemme ohne Ende?

Author D.Selzer-McKenzie

Video: https://youtu.be/OELqUpJpCEM

Viele Ölproduzenten waren im Frühjahr der Ansicht, dass das Schlimmste vorbei sei. Doch der heiße Sommer zeigte etwas anderes, Sowohl die Preise der Sorte Brent als auch WTI stürzten erneut auf die tiefsten Stände seit 2009. Wie geht es mit dem Ölmarkt nun weiter?

 

Der Ölpreisrückgang lässt sich zunächst einmal darauf zurückführen, dass sich die Fundamentaldaten nicht allzu sehr geändert haben. In den USA hat sich zwar die Zahl der Bohrlöcher, an denen mittels Fracking das schwarze Gold gefördert wird, im Verhältnis zum Sommer 2014 zwar um zirka 60 Prozent vermindert, Aus den noch aktiven Bohr¬löchern wird aber jeder möglicheTropfen Öl ansTageslicht geholt. Würden die Ölpreise signifikant ansteigen, dann wäre es relativ schnell möglich, aus momentan inaktiven Bohrlöchern wieder aktive zu machen. Auch auf der Ange¬botsseite außerhalb der USA hat sich keinerlei Einschrän¬kung oder Reduktion des Angebots zu erkennen gegeben — was bei den niedrigen Preisen, die für viele Anbieter nun nahe an oder gar unter den Förderkosten liegen, ja laut Lehrbuch zu erwarten gewesen wäre. Im Gegenteil, auch

 

unter den Opec-Ländern galt die Devise „fördern, soviel wie möglich" weiterhin als Motto der Stunde. Sinn und Zweck dieser Übung ist es, möglichst keine Marktanteile zu verlieren.

Die Währungskomponente

Begünstigt wurde das uneingeschränkt große Angebot aus vielen Erdölländern durch eine Abwertung derer Hei¬matwährungen gegen den US-Dollar. So haben gerade die Währungen der Länder, die eine gewisse Abhängigkeit vom Erdölexport aufweisen, in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich abgewertet. Als Beispiele seien hier unter anderem der russische Rubel oder die norwegische Krone genannt. Öl wird auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt. Verkauft nun beispielsweise ein russischer

Öl-Förderer sein Öl ins Ausland, so erhält er hierfür US-Dollar. Diese werden dann in die Heimatwährung umge¬tauscht, da der Produzent ja in Rubel bilanziert. Durch die Abwertung des Rubels erhält er für seine US-Dollar mehr Rubel als zum Beispiel vor einem Jahr zur gleichen Zeit, was den Verfall der Ölpreise somit zumindest teilweise kompensiert.

Chinas Einfluss

Auf der Nachfrageseite macht sich die weiterhin recht schleppende Weltkonjunktur bemerkbar. Hier sind denjeni¬gen, die nicht in Urlaub gewesen sind, sicherlich noch die Turbulenzen Mitte August präsent, als China seineWährung überraschend abwertete und es an den Märkten zu hoher Volatilität und panikartigen Verwerfungen kam. Brent-Öl, das gerade Anfang Mai sein bisheriges Jahreshoch bei knapp 72 US-Dollar/Barrel erreichte, fiel nach der Abwer¬tung desYuan wie ein Stein auf 42,23 US-Dollar/Barrel. Öl der Sorte WTI, das noch Ende Juni bei 61,50 US-Dollar/ Barrel notierte, purzelte am 24. August gar bis auf 37,75 US-Dollar/Barrel. Wer hätte das für möglich gehalten? Hier hatten es allerdings einige Marktteilnehmer offensichtlich auf der Short-Seite etwas übertrieben, sodass es in den Folgetagen dann innerhalb von drei Handelstagen zu einer Aufwärtsbewegung der Ölpreise um zirka 27 Prozent kam. Langweilig geht anders.

Ganz entscheidend für die weitere Entwicklung der Ölpreise wird natürlich, die Lage in China sein. Waren die Tage im August nur ein Sturm im Wasserglas und kom¬men in den nächsten Monaten Signale einer Konjunktur¬belebung aus China über dieTicker, so wird dies auch den Ölpreisen helfen — auch wenn das Reich der Mitte in Öl einen geringeren Anteil der Weltnachfrage ausübt als zum Beispiel in Kupfer und Eisenerz.

Ebenfalls von Bedeutung wird die Entwicklung des Ölangebots und der Ölnachfrage in den USA, den welt-größten Verbraucher von Ölprodukten, sein. Die Deutsche

Bank Research erwartet keinen wei¬teren Nachfrageeinbruch nach Öl,

sondern im Gegenteil — aufgrund der

recht brummenden Konjunktur in den USA sowohl von dort als auch aus

China und Indien — eine starke Nach-

frage nach Öl. Zwar könnte damit     T1) Hebelprodukte auf WTI

auch das Angebot wieder wachsen, insbesondere dann, wenn der Iran

 

wieder als Spieler an die Märkte zurückkehrt. Dennoch wer¬den veraltete Förderanlagen zum Beispiel in der Nordsee die Förderung von Öl außerhalb der USA und der Opec-Länder erschweren, sodass sowohl die Opec als auch die Internationale Energie Agentur eine Reduktion des Ange¬bots aus diesem Bereich erwarten. Zudem geht Deutsche Bank Research davon aus, dass, sollten die Ölpreise nach¬haltig unter 40 US-Dollar/Barrel fallen, es früher oder spä¬ter doch zu Angebotskürzungen seitens der Opec-Staaten kommt. Der nahende Winter wird natürlich auch einen Ein¬fluss auf die Ölpreise haben — je kälter, desto höher der Ölpreis und umgekehrt. Ebenso spielt die Entwicklung der globalen Aktienmärkte eine wichtige Rolle. Für letztere gilt: Je stärker die Aktienmärkte sich zeigen, desto höher könnte auch der Ölpreis handeln (dieser Zusammenhang hatte sich zumindest im August über vieleTage hinweg so angedeutet).

Fazit

In dem Sinne haben die Experten von Deutsche Bank Research die Prognosen für die Ölpreise im Jahre 2016 und 2017 revidiert. Für WTI werden (Stand Mitte Septem¬ber) für das Jahr 2016 im Durchschnitt 52 US-Dollar/Barrel und für 2017 58 US-Dollar/Barrel prognostiziert, während für Öl der Sorte Brent in 2016 und 2017 jeweils im Durch¬schnitt 57 US-Dollar/Barrel beziehungsweise 63 US-Dollar/ Barrel erwartet werden. Einerseits sollten damit Kurse von 100 US-Dollar/Barrel, wo sie zuletzt noch im Sommer 2014 stand, bis auf weiteres passend sein. Andererseits sollten aber auch Preise von um die 20 US-Dollar/Barrel, wie sie von anderen Marktbeobachtern erwartet wurden, nicht unbedingt ein dauerhafter Zustand werden.
Klar ist aber auch, dass der Ölmarkt verglichen mit vie¬len anderen Märkten eher einer der volatileren Sorte blei¬ben sollte. Gerade deswegen können Anleger hier auch aus einer breiten Palette von Anlageinstrumenten auswählen und sich ihrer Marktmeinung entsprechend positionieren

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