Donnerstag, 15. Oktober 2015

Rohstoffe: Wenig Aufwind im Herbst


Rohstoffe: Wenig Aufwind im Herbst

Author D.Selzer-McKenzie

Video: https://youtu.be/lSpGvPRQyLE

Die Rohstoffpreise sind in den Sommermonaten kräftig ins Rutschen geraten. Der breite CRB-Rohstoffindex fiel im dritten Quartal auf den niedrigsten Stand seit der Wirtschafts-und Finanzkrise 2009. Auch wenn die Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum die Preise zyklischer Rohstoffe kurzfristig belasten werden, sehen die Rohstoff-Analysten der Commerzbank mittelfristig hohes Erholungspotenzial. Schließlich wird das Angebot am Ölmarkt und an vielen Metallmärkten aufgrund der niedrigen Preise eingeschränkt. Gold dürfte erst nach der ersten Zinserhöhung der Fed wieder moderat steigen. Stärkeres Aufwärtspotenzial sehen die Analysten aufgrund der EZB-Anleihenkäufe für den Gold¬preis in Euro.

 

Energie: Zähes Überangebot lastet auf Ölpreisen Brent-Öl war Ende August kurzfristig so günstig wie zu¬letzt in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 (Grafik 1). Der Preis hat sich seitdem zwar wieder erholt, aber viel weiteres Aufwärtspotenzial sehen die Rohstoff-Analys¬ten der Commerzbank kurzfristig nicht. Denn das Über- angebot am Markt hält sich zäh. Schuld daran ist vor allem die OPEC, die dank der Produktionsausweitung in Saudi-Arabien und dem Irak ihre Produktion seit Jahres¬beginn um 1,5 Millionen Barrel pro Tag erhöht hat. Kurz¬fristig wird sich an der hohen OPEC-Produktion wenig ändern. Denn Saudi-Arabien will an seinem aktuellenFördervolumen bis Jahresende festhalten. Darüber hin¬aus erwies sich die Ölproduktion außerhalb der OPEC und hier insbesondere die US-(Schiefer-)Ölproduktion lange Zeit gegen das niedrige Preisniveau als immun. Die bis zum Frühjahr gestiegene US-Ölproduktion trug zum beträchtlichen Überangebot im ersten Halbjahr bei und ließ die OECD-Lagerbestände auf ein Rekordniveau anschwellen.

Dennoch gibt es gute Argumente für eine Preiser¬holung auf mittlere Sicht. Zum einen entwickelt sich die weltweite Ölnachfrage deutlich dynamischer als erwartet. In diesem Jahr rechnet die Internationale Energieagentur IEA mittlerweile mit dem stärksten Zuwachs seit dem Nachkrisenjahr 2010. Vor allem in den OECD-Ländern entwickelt sich der Ölbedarf stärker als gedacht. Für höhere Preise spricht zum anderen, dass das Ölangebot in den USA neuen Daten der US-Energiebehörde EIA zufolge offensichtlich überschätzt worden ist; auch infolgedessen wurden die Produktionsperspektiven nach unten korrigiert (Grafik 2). Der Tiefpunkt der Produktion wird nun im August 2016 bei gut 8,6 Millionen Barrel pro Tag er¬wartet, was einem Rückgang um ca. 1 Million Barrel pro Tag von der Spitze im April 2015 entspricht. Die Strategie der OPEC, mittels niedriger Preise das Nicht-OPEC-Angebot einzudämmen und auf diese

 

Weise Markt-anteile zurückzugewinnen, scheint damit - wenn auch etwas später als erwartet - aufzugehen. Alles in allem steigt laut IEA der Bedarf an OPEC-Öl bis Ende 2016 auf 32,2 Millionen Barrel pro Tag, was sogar über der derzeitigen OPEC-Produktion läge.

Dank des sinkenden Überangebots dürfte der Brent-Ölpreis bis Ende 2016 auf 65 US-Dollar je Barrel steigen. Ein Abwärtsrisiko für diese Prognose ist die Rückkehr des Iran an den Ölmarkt. Sollte der Iran im nächsten Jahr nach einer Aufhebung der Sanktionen seine Öl¬produktion um mehr als 500.000 Barrel pro Tag steigern können, würde sich die Preiserholung weiter verzögern. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Saudi-Arabien sein Angebot zugunsten des Erzfeindes Iran zurückfährt.

Industriemetalle: zu günstig

Die Erholung der Metallpreise Ende August/Anfang September währte nur kurz. Seitdem befinden sich die Preise wieder im Sinkflug. Denn es überwiegt wieder die Angst vor einer »harten Landung« der chinesischen Wirtschaft (Grafik 3). Diese Sorgen dürften die Märkte vorerst in Atem halten. Die Rohstoff-Analysten der Commerzbank gehen aber nicht davon aus, dass die chinesische Wirtschaft kollabiert, sondern sich »nur« weiter abschwächt. Die Industrieländer dürften daher nicht von einem Unsicherheitsschock erfasst werden.

Vielmehr sollte sich das Wachstum zu ihren Gunsten verschieben, denn sie sind heute besser aufgestellt als zum Beispiel während der Schwellenländerkrise 1997/ 98. Die Weltwirtschaft als Ganzes sollte also weiter wachsen und damit die Nachfrage nach Industrie¬metallen stützen. Zudem gehen die Rohstoff-Analysten der Commerzbank davon aus, dass die chinesische Re¬gierung und die Zentralbank in den nächsten Monaten weitere Stimulierungsmaßnahmen ergreifen werden. Neben geldpolitischen Maßnahmen dürften zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden. Auch dies sollte die Nachfrage nach Metallen stimulieren.

Da viele Metalle zudem deutlich unter ihren Grenz¬produktionskosten handeln, erwarten die Analysten umfangreiche Produktionskürzungen. Glencore bei¬spielsweise, einer der weltweit größten Rohstoffhändler und Minenproduzenten, will wegen der niedrigen Preise die Kupferproduktion in einigen afrikanischen Minen für 18 Monate unterbrechen. Auch bei Nickel und Aluminium gehen die Rohstoff-Analysten der Commerzbank von umfangreichen Produktionskür¬zungen aus. So ist die Produktion von Nickelroheisen (Nickel Pig Iran, NPI) in China, die im letzten Jahr für ein Viertel des weltweiten Nickelangebots stand, bei Preisen unterhalb von 11.000 US-Dollar je Tonne nicht mehr profitabel. Und auch bei Aluminium werden in

Grafik 3: Schlechte Stimmung in Chinas Industrie lastet auf Metallpreisen

Diffusionsindex, s b

Calvin China PMI verarbeitendes Gewerbe, links — LME-Industriemetallindex, rechts Stand: September 2015; Quelle: Caixin/Markit, LME, Bloomberg, Commerzbank Research

 

China offenbar ernsthaft Produktionsstilllegungen in Betracht gezogen, nachdem dort der Aluminiumpreis unter die kritische Marke von 12.000 Yuan je Tonne gefallen ist. Das knappere Angebot sollte einherge¬hend mit einer soliden Nachfrage zu höheren Metall¬preisen führen.

Edelmetalle: Gold in Euro mit Aufwärtspotenzial Der Goldpreis neigte in diesem Sommer zur Schwäche. Zwischenzeitlich kostete Gold weniger als 1.080 US-Dollar je Feinunze und war damit so billig wie zuletzt vor 51/2 Jahren. Auch in Euro gerechnet fiel Gold auf ein 8-Monats-Tief von 980 Euro je Feinunze. Anders als 2010 profitierte der Goldpreis nicht von der zwischen¬zeitlichen Zuspitzung der Schuldenkrise in Griechen¬land und der zeitweise bestehenden Möglichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone, da An-steckungseffekte auf andere Länder der Eurozone weitgehend ausblieben. Auch der Einbruch am chine¬sischen Aktienmarkt Mitte Juni hat nicht zu steigenden Goldpreisen geführt.

Die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen blieb also anders als in vorherigen Krisen verhalten. Dem zwar guten Absatz an US-Goldmünzen standen deutlich höhere Abflüsse aus den Gold-ETFs gegenüber. Hinzu kommen erhebliche Verkäufe seitens der spekulativen Finanzanleger, welche maßgeblich zur Preisschwäche bei Gold in diesem Sommer beigetragen haben. Deren Wetten auf steigende Preise sind seit Mitte Mai in der Tendenz gefallen. Zwischen Mitte Juli und Mitte August bestanden sogar erstmals seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2006 bei diesen Anlegern mehr Short- als Long-Positionen. Normalerweise stellen derartige Extrem-stimmungen Wendepunkte an den Märkten dar. Dies zeigte sich Ende August, als der Goldpreis aufgrund des Einbruchs an den globalen Aktienmärkten und des dadurch ausgelösten Rückgangs der Fed-Zins-erhöhungserwartungen auf ein 7-Wochen-Hoch von 1.170 US-Dollar je Feinunze stieg.

In Euro gerechnet handelt Gold noch immer tiefer als Mitte Januar, als EZB-Präsident Draghi die umfang¬reichen Anleihenkäufe der EZB ankündigte. Gold ist vor diesem Hintergrund zu billig, zumal die EZB die Tür zu einer Aufstockung der Anleihenkäufe geöffnet hat. Mittel- bis langfristig sehen die Rohstoff-Analysten der Commerzbank daher höhere Goldnotierungen als

aktuell, auch wenn die bevorstehende Zinswende in den USA kurzfristig ein Stolperstein sein könnte.

Wie wirkt sich der Wechselkurs aus?

Eine Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar führt zu einem positiven Währungseinfluss auf ein Rohstoffinvestment in US-Dollar. Wertet die Gemein¬schaftswährung dagegen zum Greenback auf, kann dadurch die Performance einer Rohstoffanlage ge¬schmälert werden. Durch eventuelle Währungseinflüsse ist es daher einerseits möglich, dass Investoren mit ihrer Anlage eine bessere Performance erzielen können als der Rohstoff selbst, wobei sogar trotz eines Rückgangs des Rohstoffpreises Gewinne realisierbar sind. Anderer¬seits kann es trotz eines Anstiegs des Rohstoffpreises zu Verlusten kommen. Ein fiktives Beispiel verdeutlicht den Währungseinfluss (siehe Grafik 4). Ein Anleger aus dem Euroraum hat in einen Rohstoff investiert, der im Anlage¬zeitraum einen Preisanstieg in US-Dollar von 4 Prozent vollzog. Hat sich der Wechselkurs EUR/USD nicht verän¬dert, erzielt die Anlage die gleiche Performance wie der Rohstoff. Ist der Wechselkurs dagegen von 1,10 auf 1,05 US-Dollar gesunken, fällt die Performance der Anlage mit 9 Prozent signifikant größer aus. Eine Aufwertung des Euro von 1,10 auf 1,15 US-Dollar führt indes zu einer negativen Performance von 0,5 Prozent.

Grafik 4: Performance eines Rohstoffinvestments in Euro

Performance Rohstoffinvestment in Euro

20 %

15%

10%

-          20%

-10% -8% -6% -4% -2% 0% 2% 4% 6% 8% 10%

 

Im weltweiten Handel werden die meisten Rohstoffe in US-Dollar fakturiert. Und auch an den meisten Roh¬stoffbörsen findet die Preisermittlung in der US-Wäh¬rung statt. Für Anleger aus dem Euroraum kann daraus ein möglicher Währungseinfluss resultieren, der sich aus der Entwicklung des Wechselkurses Euro/US-Dollar (EUR/USD) ergibt. Die Analysten der Commerzbank bewerten dessen Aussichten derzeit wie folgt: Ihrer Ansicht nach spricht weiterhin vieles für eine graduelle Schwäche des Euro in den nächsten Monaten. Einerseits wegen der Geldpolitik der EZB, die überwiegend auf eine schwache Gemeinschaftswährung abzielt. Anderer¬seits hat der US-Dollar selbst weiter Aufwertungspoten¬zial. Zum einen, weil am Markt die Skepsis überwiegt, dass die Fed die Zinsen erhöht. Nach einer ersten An¬hebung der Leitzinsen könnten daher schnell weitere Zinsschritte eingepreist werden, was den US-Dollar stützen sollte. Zum anderen haben die Commerzbank-Analysten Überraschungspotenzial ausgemacht, weil der Markt deutlich weniger Zinserhöhungen erwartet als die Fed selbst. Einen vorsichtigen Abwärtsdruck auf den Wechselkurs, der aktuell bei 1,20 US-Dollar steht, sehen die Commerzbank-Analysten. Ihre konkrete Prognose geht von einem Rückgang bis März 2016 auf 1,05 US-Dollar aus. Bis September nächsten Jahres dürfte er dann auf 1,01 US-Dollar sinken.

Da die Wertentwicklung des ComStage Rohstoff-ETF dem Einfluss von Wechselkursschwankungen unter¬liegt, profitieren Anleger aus dem Euroraum von einem fallenden Euro-/US-Dollar-Wechselkurs.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.