Theophanu 959-991
Author D.Selzer-McKenzie
Video: http://youtu.be/f6C5Tpqldbs
Eine Großstädterin im ländlichen Westeuropa
Theophanu
959-997
In einer Zeit, in der Mädchen ihres Alters und ihrer
Herkunft gewöhnlich verheiratet wurden, saß die zwölfjährige Theoph einsam auf
der Prinzeninsel südöstlich von Konstantinopel. _11-war in dieser brodelnden
Großstadt am Bosporus aufgewach die mit ihrem Reichtum, ihren Künstlern und
Gelehrten zu Re _ als die einzige wirkliche Stadt im Europa ihrer Zeit angese
wurde. Der byzantinische Herrscher hatte Theophanu auf Prinzeninsel verbannt,
nachdem sie
an Intrigen am byzantinischen Hof lx - ligt hatte, die zum
Tod des alten Kai., Nikephoros führten, der zu allem Unglücb auch noch ihr
Großonkel gewesen ‘k Plötzlich erfuhr sie, dass sie in einig Monaten den vier
Jahre älteren frär schen Thronfolger Otto II. heiraten sc
te. So hatten es Otto der Große (s. S. und die Mächtigen am
byzantinischen miteinander vereinbart, denn der deutsche Kaiser wollte
unbedingt eine byzantini¬sche Schwiegertochter bekommen, um die Anerkennung des
oströmischen Kai¬sers zu gewinnen. Am liebsten wäre ihm
Prinzessin Anna gewesen, doch nun war
es nur die entfernt mit dem Kaiserhaus
verwandte junge Theophanu. Nun gut
besser als nichts, dachte Otto der Große
sich zunächst. Doch bald schon sollte er
die Qualitäten seiner Schwiegertochter
erkennen.
Theophanu kam als 13-Jährige nach Rota und im April 972 fand
dort die Hochzeit mit Otto II. statt. Anschließend bekam die junge Kaiserin
erstmals einen Eindruck von dem neuen Leben, das ihr nun be¬vorstand:
Entsprechend der fränkischen Herrschertradition, die bisher allein Karl
_ mit der
Vorliebe für seine Aachener Residenz durch-
- -alte. würde sie nicht an einem Ort residieren, wie sie
• :=7..stantinopel
kennengelernt hatte, sondern sollte stets
..-.- Weiten Süd- und Mitteleuropas reisen. Nachdem sie in
am Bosporus mit der einzigen Verkehrsspra-:.- _ -.:s.zh aufgewachsen war, wurde
sie nun ständig "Cle7. Städten, neuen Kulturen, neuen Sprachen und
konfrontiert. Otto und Theophanu reisten über das Rhein-Main-Gebiet in die
sächsischen der Ottonen, nach Magdeburg und Qued-- ±:esen Monaten drang das
gelehrte Latein der _hr Ohr, ebenso das Vulgärlatein der Italiener ir-ficzr_
der Alpen das Alemannische, Fränkische, _;r_d im teils slawisch besiedelten
Raum Mag-das Slawische. Vor der Hochzeit mag sie al-mar -Jas Latein der
Geistlichen vorbereitet worden liebe babylonische Sprachverwirrung ließ ihr das
Waldflächen ohnehin schon finstere Eu-
r als
Barbarenland erscheinen.
—7.e..2chanu war klug und umsichtig genug, sich
- - .:en Welt
zurechtzufinden. Dabei waren die
den ersten Jahren alles andere als einfach, musste nach der
Übernahme der Regie-Thron und Leben fürchten. Allerorten zanach. seine Macht zu
schmälern, und bis-peorrig dem Kaiserpaar nur knapp, den Angrei-
. Die beiden
verteidigten ihre Macht,
m der ersehnte
Sohn geboren worden war,
ne Nachfolge gesichert. Den kleinen Otto III. keilen ke
fortan kaum aus den Augen, reisten
immer zusammen, von 981 bis 983 auch nach Italien. Dort \ Er
:r der Kaiser eine Schlacht gegen die Sarazenen — seine von ihr- _ »erhabene
Mitkaiserin« (Coimperatrix augusta) verehrte Ga:-: hatte ihm von diesem Feldzug
abgeraten. Anschließend ließ all in Verona seinen dreijährigen Sohn zum König
wählen. Weil Kleine auf Wunsch der Adligen in Aachen gekrönt werden s: te,
musste sich das Kaiserpaar von ihm trennen. Kurz nach 1: prächtigen Krönung
Ottos III. am Weihnachtstag 983 erfuhr Festgesellschaft, dass sein Vater,
Kaiser Otto II., 18 Tage zu\ c r Italien an einer Malariainfektion gestorben
war.
OTTO II.
Otto II. (955-983), der Sohn Kaiser Ottos des Großen, wurde
961 zum König gewählt, 967 zum Mitkaiser gekrönt und heira¬tete 972 Theophanu.
Er war hoch gebildet, doch sagte man ihm Unausgeglichenheit nach. Otto II.
lebte in Streit mit dem west-fränkischen König Lothar, und in Süditalien
erlebte er gegen die Sarazenen eine vernichtende Niederlage, bei der er nur mit
Mühe sein Leben retten konnte. Er starb in Italien an Malaria. Als
einzige-deutscher Kaiser wurde er in St. Peter zu Rom bestattet.
HEOPHANU
Ir.e.7 Schock war riesig. Zudem stand die Frage im Raum, wer
Reich regieren sollte, denn eine rechtliche Regelung gab einen solchen Fall
nicht. Für Theophanu war es keine Fra-.:aztass sie eine vormundschaftliche
Regierung für ihren dreijäh-?ger Sohn führen würde, doch der nächste männliche
Verwandte ierrh-ch von Bayern, der Vetter Ottos III., sah das ganz anders. e
Macht zu erzwingen, brachte er die Kroninsignien und ugazr :er_ Thronfolger in
seine Gewalt, und wegen dieser Monate, zearre7. er um die Königsmacht kämpfte,
sollte man ihn später
"•r--r- c. den Zänker« nennen. Im Laufe des folgenden
halben 11,-,re_. :ersuchte Heinrich vergeblich, Unterstützung durch den
carlrsil)''iel zu gewinnen. Zudem waren seine Gegnerinnen kei-e. ltatir_szhen
Leichtgewichte: Neben Theophanu kämpften ihre
trob-egerrnutter Adelheid (s. S. 38) sowie ihre Schwägerin
Ma¬nage je Äbtissin von Quedlinburg, für den jungen Thronfolger. n'.a±d
vereinbarten sie eine Zusammenkunft mit Heinrich Großen des Reiches für den 29.
Juni 984 in Rara (Rohr ). Heinrich hatte die Rückgabe Ottos angekündigt, 7f
niemand ihm so recht trauen. Als alle versammelt te plötzlich ein heller Stern
am Himmel. Ein solches milmameisrEchen bei der größten Fürstenversammlung seit
Jahren ":11" TGZ ein göttliches Zeichen für Otto III. sein: Alle
fielen auf
1 md
stimmten einen Lobgesang an. Da-
nee= Jene sich Heinrich von Bayern und gab "MW Igei zig
Kroninsignien als auch den vierjähri-
g? Aga Theophanu zurück - bei diesem be-gr?',.—:7). :-2>7
Stern von Rara« dürfte es sich
Agar, - großen Meteor gehandelt haben;
mt) - a - _-(ernten Lotharingien wurde von
L- -_-7.?szheinung am Himmel berichtet. 7 :-:_einrich seine
Thronansprüche konnte Theophanu die Regie¬- a- Anfeindungen übernehmen.
7.:hgesetzt, obwohl sie weitge-
, 7 zestellt war. In der folgenden ,.;-::-Itschaft konnte
sie eine Pha-=7 -....2ens im Reich einleiten, was
aor '2"—T _ durch wegweisende außen-
)), - ,:sungen gelang: Sie machte
- Memleben 984
zum Bischof
:2 damit - in Opposition zum
- Ee Weichen
für die spätere
Ostpolitik ihres Sohnes. Im Westen schuf sie sich durch die
; sehe Anerkennung des neuen französischen Königs Hugo Cal (s. S. 42) eine
starke Position, die es ihr ermöglichte, die Zuo: nung Lotharingiens zum
deutschen Regnum zu sichern. Sie v teidigte Lotharingien gegen die Macht des
westfränkischen Kört und setzte alles daran, Brandenburg von den Slawen
zurückzi obern. Das alles tat sie zweifellos souverän, denn schließlich 11 sie
von klein auf mit Regierungsaufgaben vertraut gewesen. .A ihren vielen Reisen
hatten sich zwei Mittelpunkte herausgebild an denen sie sich gerne aufhielt:
Wann immer es ging, feierte Ostern in Quedlinburg und das Weihnachtsfest in
Köln.
Im Dezember 989 weilte sie ohne ihren Sohn in Rom, um
Totengedächtnis für ihren verstorbenen Mann zu begehen. 21 ihrer Rückkehr
machte sie in Ravenna Station, dessen byzar nische Mosaikpracht sie an ihre
Heimat erinnerte. Es war dit Eleganz der Mosaike Ravennas, die auch Theophanu
zeitlebe ausstrahlte. Sie umgab sich stets mit prächtigen Gewändern u Schmuck
und zeigte so allen, dass sie sich noch immer als sto Byzantinerin fühlte.
Dieser Prunk rief auch Kritik hervor, dc alles in allem erfuhr sie große
Wertschätzung. Der Chronist Thi mar von Merseburg fasste ihr Lebenswerk zwei
Jahrzehnte spä zusammen: »Wohl war sie von schwachem Geschlecht, doch e nete
ihr Zucht und Festigkeit und ein trefflicher Lebenswanc: was in Griechenland
selten ist. So wahrte sie ihres Sohnes He schaft mit männlicher Wachsamkeit in
ständiger Freundlichk gegenüber Rechtschaffenen, in Furcht gebietender
Überlegenh gegenüber Aufsässigen.«
Im Juni 991 erlag Theophanu einer schweren Krankheit.
mittlerweile elfjähriger Sohn Otto III. war in der Tod stunde bei ihr. Später
sollte er in seinen Urkunc von »meiner geliebten Mutter« sprechen. 1\-Zz einer
oftmals einsamen Regierungszeit wu ihr letzter Wunsch erfüllt — sie wurde in ih
Lieblingskirche St. Pantaleon zu Köln bestat Damals begann Köln gerade, zu
einer richti: Stadt zu werden, und Theophanu, die Großst terin, hatte dazu
beigetragen, indem sie für st le Verhältnisse im westlichen Kaiserreich ges(
hatte.
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